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Vampire und der Krieg gegen den Terror

Nahezu einhundert Seiten lang baut sich Spannung auf: Warum landet auf dem New Yorker JFK-Flughafen ein Flugzeug, dessen Insassen alle tot sind? Als dann aber die Cops im Frachtraum auf einen riesigen Sarg stoßen, gefüllt mit Heimaterde und sonst nichts, ist die Luft auch schnell wieder raus. Immer dieselbe Leier – Vampire sind am Werk. Und die wollen von New Yorks aus die Welt erobern. Mit „Die Saat“ legt Regisseur Guillermo del Toro („Pan’s Labyrinth“, „Hellboy“) seinen Debütroman vor, für den er eigentlich gar keine Zeit gehabt haben dürfte, ist er doch seit längerem schon mit der filmischen Verwirklichung des „Hobbit“ beschäftigt. Vielleicht hat er sich deshalb für die Umsetzung dieses eher konventionellen Stoffes den erfahrenen Thriller-Schriftsteller Chuck Hogan als Co-Autoren ins Boot geholt. Zu viele Köche … auf jeden Fall hat die Zusammenarbeit dem Roman nicht gut getan. Es wimmelt von seltsamen Allegorien, Bedeutungszuschreibungen und nicht zu Ende gedachten impliziten Ebenen: Sind die Vampire wie Terroristen, die New York überfallen? Warum suchen sie ihr Tageslicht-Versteck ausgerechnet in Ground Zero? Etwa weil „ein Maulwurf seinen Bau in die toten Wurzeln eines gefällten Baumes gräbt“ und sich „Wundbrand nur in einer Wunde bildet“? Müssen deshalb die Soldaten zur Vampirbekämpfung von Haus zu Haus gehen, „als wären sie in Bagdad“? Und dann das schiefe Bild vom Krankheitsbefall: Warum sind zunächst die Vampire „Viren in Menschengestalt“, dann wieder die Menschen die wirkliche „Seuche“? Bleibt nur zu hoffen, dass del Toro seinen Roman nicht auch noch verfilmen will.


 
Guillermo del Toro, Chuck Hogan, „Die Saat“, Heyne, 528 Seiten, 19,95 Euro.

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