Graphic Novel

„Venedig“ von Jiro Taniguchi

Der Altmeister des japanischen Manga Jiro Taniguchi verabschiedet sich mit einer Hommage an Venedig

Jiro Taniguchi

Dass Jiro Taniguchi gesundheitlich angeschlagen war, wusste man schon länger. Wie ernst es um den Meister der Manga aber wirklich steht, konnten er und  sein Verlag viele Monate verbergen. Am 11. Februar verstarb er, „Venedig“, in Japan bereits vor drei Jahren erschienen, bleibt sein letztes vollendetes Werk.
Wie passend, denn in „Venedig“ geht es auch um einen Abschied: Ein namenloser Protagonist findet im Nachlass seiner Mutter handgemalte Postkarten und Fotos aus der Lagunenstadt. Er reist nach Venedig und begibt sich auf die Spur seines Großvaters, der hier die Liebe seines Lebens fand. Zugegeben: Diese Story ist hauchdünn. Aber sie ist doch auch nur der Anlass dafür, ziellos durch Venedig zu streifen, sich zu verlieren in dieser alten und rätselhaften Stadt. Es geht um eine Stimmung: Melancholie. Die fängt Taniguchi meisterhaft ein, in seinen stillen Porträts von hitzeflirrenden Straßen und Plätzen, ebenso wie in seinen großen, aquarellierten Stadtansichten. Man kann sich nicht satt sehen an den Details, die Taniguchi eingearbeitet hat, blättert den Band immer wieder durch und will augenblicklich selbst in die Lagunenstadt reisen, um dort die Geister von Hemingway, Pratt und eben Taniguchi zu treffen.

Venedig von Jiro Taniguchi, Carlsen Verlag, 144 S., 29,90 €

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