Kommentar

„Verherrlichung“ von Erik Heier

Der Schauspieler Matthias Brandt hat kürzlich die wunderbarste Verherrlichung des Lesens dargeboten, die man sich vorstellen kann

Erik Heier

Da war er zu Gast in der Buchhandlung Uslar & Rai, er stellte dort fünf Lieblingsbücher vor. Brandt ist letztes Jahr selbst erstmals literarisch mit „Raumpatrouille“ aufgefallen, es wäre ihm aber komisch vorgekommen, es deshalb als Lieblingsbuch zu deklarieren. Brandt ist eben kein typischer Schriftsteller. Er las eine Erzählung von J. D. Salinger, einen Abschnitt aus „Telegraph Avenue“ von Michael Chabon, eine Geschichte von Frank Kafka und eine von Anton Tschechow sowie eine Passage aus dem im August erscheinenden Buch „Hotel Laguna. Meine Familie am Strand“ des „Süddeutsche“-Redakteurs Alexander Gorkow. Die Lesungspassagen erledigte Brandt mit erwartbarer Großartigkeit. Das Beste des Abends war jedoch, wie er über seine Leidenschaft für Literatur, für Bücher, für das Lesen sinnierte, in feinsinnigen, heiteren, klugen Sätzen. Wenn er von jenen Lesemomenten erzählte, in denen man etwas verstanden habe, das man vorher nur gewusst hätte. Dass das Kafka-Lesen ihn ins kindliche Lesen zurückversetzen würde, wo noch keine Grenze wäre zwischen Realität und Traum. Oder wie er mal ein Jahr nur mit Lesen verbracht habe. Es sei zu einer Zeit gewesen, als unser Leben noch nicht auf Effizienz getrimmt wurde. Lesen, glaubt Matthias Brandt, mache ihn zu einem besseren Menschen. Er lerne dadurch, die Welt zu betrachten.
Besser kann man es nicht sagen.

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