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Verleger Wolfgang Farkas über seinen E-Book-Verlag Shelff

farkas.Was unterscheidet Shelff von anderen ­Verlagen?
Shelff macht vieles, was andere Verlage auch tun, von der Autoren-Akquise bis zum Lektorat. Bei uns sind aber die Wege kürzer.
Wir sind mehr eine Verlagsredaktion als ein Verlag: Wenn die Redaktion einen Titel beschlossen hat, dann kann der innerhalb von vier bis acht Wochen erscheinen.

Was hat Sie zu dazu bewogen, einen reinen E-Book-Verlag zu gründen?
Der Aufwand, einen Titel zu drucken, ist enorm. Ein Buch hat in der Regel eine sehr kurze Lebensdauer: Nach zwei, drei Monaten ist es verschwunden. Bücher werden auf Verdacht produziert, verramscht, enden als Dämmmaterial.  Damit nicht mehr konfrontiert zu sein, empfinde ich als große Befreiung. Außerdem kann man mit einem E-Book schneller auf gesellschaftliche Ereignisse antworten.

Ihre ersten beiden Publikationen sind ein reisejournalistischer und ein belletristischer Titel.
Ja, weil das gleich ein Spektrum aufzeigt: Das Buch „Istanbul-Notizen“ von Mely Kiyak ist kein herkömmlicher Reisebericht, sondern eine persönliche, assoziative Auseinandersetzung mit einer interessanten Stadt. Und Katharina Enzensbergers „Stufen“ sind starke Geschichten, die polaroidartig das Leben einer Frau und die Geschichte der Bundesrepublik wiedergeben – ohne Anspruch auf Hipness. Außerdem finden wir gut, dass Shelff mit zwei Frauen reüssiert.

Auf Ihrer Webseite kann man den programmatischen Satz lesen: „Die Grenzen werden durchlässiger! Leser können Autoren und Autoren Verleger werden.“
Bei Shelff gibt es die klassische Verlagsleiter­position nicht. Für jeden Titel gibt es einen eigenen Verleger. Wir nennen das „Editor-Modell“. Auch unsere Autoren können sich als Verleger betätigen. Wenn Katharina Enzensberger morgen einen Autor vorstellt, den sie interessant findet, dann kann sie den bei uns verlegen. Das ermöglicht uns ein breiteres Spektrum an Titeln.

Zieht dieser Egalitarismus nicht auch eine Beliebigkeit nach sich?
Shelff ist ein Labor. Für das, was da an In­teressantem entsteht, nehmen wir gerne Titel in Kauf, die uns nicht zu 100 Prozent zusagen.

Profitieren Sie von Ihren Blumenbar-Erfahrungen?
Ja, Blumenbar hilft: die Kontakte, die Fehler, die Erfolge. Shelff ist von manchem befreit: Die große Maschinerie und vor allem das Kapital, das jeder klassische Verlag braucht, sind im Digitalen nicht mehr zwingend nötig.

Sascha Lobo schickt sich mit dem Verlag Sobooks an, „das E-Book neu zu erfinden“. Wird das die Rettung des Buches oder sein Untergang sein?
Das E-Book neu erfinden – daran glaube ich nicht. E-Books kommen bei den Leuten gerade erst an. Ich selbst habe erst vor einigen Wochen zum ersten Mal ein E-Book gekauft, von Thomas Palzer: „Das kommende Buch“.

Was ist bei Shelff für die Zukunft geplant?
Es wird Romane, Reportagen und Wieder­veröffentlichungen verschollener Titel geben. Mindestens einmal im Monat erscheint ein neues E-Book, begleitet von einer Veranstaltung. Digitales Verlegen und analoge Kultur gehören zusammen.

Das klingt ein wenig nostalgisch. Werden Sie letztlich doch noch auf Print erweitern?
Abgesehen von Print-on-Demand bleiben wir erst mal digital. Aber selbstverständlich bleibt die Liebe zur Materialität, zum gedruckten Buch bestehen.  

Was ist überhaupt Ihre persönliche Motivation als Verleger?
Verlegen verbindet auf besondere Weise ­Literatur, Gesellschaft und Glücksspiel. Die Motivation bei Shelff besteht vor allem da­rin, neues Terrain zu erkunden: neue Textformen, neue Formen der Zusammenarbeit: Emanzipation von dem, was vorgegeben ist.

Interview: Christoph David Piorkowski

Foto: Kay Itting / kayitting.com

EMPFEHLUNGEN:

Mely Kiyak: „Istanbul-Notizen“
Shelff-Verlag, ca. 120 Seiten, E-Book, 4,99 Ђ, www.shelff.de  

Katharina Enzensberger: „Stufen“ Shelff-Verlag, ca. 120 Seiten, E-Book, 7,99 Ђ, www.shelff.de 

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