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Hanna Zeckau & Carsten Aermes: Verlorenes Tierleben

BrehmsDer Zoologe Alfred Brehm (1829-1884) kannte sie alle: den neuseeländischen Hopflappenvogel; jenen Mamo, aus dessen Federn Häuptlinge und Könige ihr Staatskleid herstellten; der Eigentliche Spanische Steinbock (Bild), der die Pyrenäen unsicher machte. Brehm verewigte sie in seinen Reiseberichten „Brehms Tierleben“.

Der letzte Eigentliche Spanische Steinbock hat den Zoologen um mehr als ein Jahrhundert überlebt. Das Tier starb im Jahr 2000 – ein umstürzender Baum in einem Nationalpark hatte es erwischt. So wurde aus „Brehms Tierleben“ jetzt „Brehms verlorenes Tierleben“: Die Kommunikationsdesigner Hanna Zeckau und Carsten Aermes haben 196 dieser verschollenen, ausgestorbenen oder ausgerotteten Tiere verewigt, in einem schönen Bildband mit kolorierten Illustrationen. Entstanden ist das „verlorene Tierleben“ als Diplomarbeit.

Die zwei ehemaligen Studierenden der Kunsthochschule Berlin Weißensee (KHB), Betreiber des Grafikbüros Kiosk Royal (www.kiosk-royal.com), haben zum Großteil nach Vorlage aus den Naturkundemuseen Berlins und Wiens gezeichnet und ihre Bilder, ergänzt mit neuen Forschungsergebnissen, den Monografien Brehms gegenübergestellt.

Der Mensch, schreibt der Zoologe Josef H. Reichholf im Vorwort des Buchs, ist zwar nicht immer schuld am Aussterben einer Tierart. Tatsächlich suchen viele Tiere die Nähe zum Städter, wo sie oft sicherer leben als mit den Feinden auf dem Land. Dem texanischen Big-Thicket-Schweinenasenskunk aber (Brehm: „Pestgeruch“, „fähig, ein ganzes Haus unbewohnbar zu machen oder ein mit den kostbarsten Stoffen gefülltes Vorrathsgewölbe zu entwerthen“) hat die Zutraulichkeit nicht geholfen: Das 1994 ausgestorbene Tier wurde durch Straßenverkehr dezimiert.

Hanna Zeckau & Carsten Aermes „Brehms verlorenes Tierleben“, Verlag Zweitausendeins, 263 Seiten, 200 Bilder + drei Übersichtskarten, 29,90 Euro

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