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„VG Horror“ von Erik Heier


Achtung. In dieser Kolumne geht es um ganz viel. Geld, Macht, Lobbyisten, Blutsauger, Horror, Verrat. Seit Mitte November gibt es ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur  Verteilung der gesetzlichen Vergütung für private Kopien. Einigen kleinen Verlagen hat es bereits die Weihnachtszeit verhagelt. Die Kurt Wolff Stiftung, die vor allem für unabhängige Verlage eintritt, schreibt von einem „Horrorszenario“. Bislang schüttete die Verwertungsgesellschaft Wort diese Gelder, zu der auch Bibliothekstantiemen zählen, zu gleichen Teilen an die Autoren und ihre Verlage aus – für beide Seiten eine verlässliche, planbare Einnahmequelle. Mit dem EuGH-Urteil gehen die Verlage nun leer aus – die Autoren bekommen alles. Weil die Regelung rückwirkend seit 2012 gilt, soll die VG Wort bereits deftige Rückforderungen verschickt haben – fällig binnen 14 Tagen. Für einige Verlage wäre mindestens die Jahresbilanz im Eimer. Dass sie im Urteil eine Missachtung ihrer Arbeit – Projektentwicklung, Lektoriat, Gestaltung – sehen, ist keine Überraschung. Seltsam ist dagegen, dass man in der Debatte bisher wenig von Schriftstellern hört. Außer von Tom Hillebrand, der in seinem Blog die „Lobbyisten der Verwerter“ anprangerte und Autorenverbände, die 50-zu-50-Aufteilung okay finden, des Verrats bezichtigte. Vielleicht liegt es daran, dass die Kollegen noch nicht mit den spontan georderten Kaviarbergen fertig sind. Oder aber sie finden, dass die Verlage doch mehr sind als nur Blutsauger am Schreibarm der Poeten.

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