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Graphic Novel

Volker Kutschers „Der nasse Fisch“ erscheint als Comic

Hauptstadt der Sünde: Arne Jysch hat den Bestseller „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher nicht nur als Comic adaptiert, sondern eigenständig neu geschaffen

Ausgerechnet bei der Sitte landet der junge Kriminalpolizist Gereon Rath, als er aus dem provinziellen Köln nach Berlin versetzt wird. Die deutsche Hauptstadt ist bereits im Jahr 1929 ein Sündenpfuhl, das moderne Babylon. Den ehrgeizigen Rath zieht es zur Mordkommission, die vom legendären Ermittler Ernst Gennat geleitet wird. Und so beginnt er mit eigenen Ermittlungen in einem Mordfall, der ihn eigentlich nichts angeht. Sie führen Rath tief in die Gesellschaft der russischen Bürgerkriegsflüchtlinge, die hinter einem Goldschatz her sind, und auf die Spur eines korrupten Kollegen, der Polizeiwaffen an seine faschistischen Freunde verhökert.

Der Berliner Arne Jysch hat den Bestseller des Rheinländers Volker Kutscher jetzt adaptiert, und er hätte keinen besseren Zeitpunkt finden können: Im November erschien „Lunapark“, Gereon Raths sechster Fall – ein Kracher, wie alle anderen Bände auch – und noch in diesem Jahr wird Tom Tykwers TV-Version vom „Nassen Fisch“ im Fernsehen laufen. Obwohl man bisher nur einige Szenen aus der Serie kennt, kann man jetzt schon sagen: Tykwer wird sich viel Mühe geben müssen, um mit Jysch mitzuhalten.

Das liegt nicht nur an der umfassenden Recherche, die der 44-jährige Jysch betrieben hat: Man erkennt die Straßenzüge dieser Stadt wieder, aber Jysch hat auch umfassend über Mode, Musik und Werbung recherchiert. Dazu kommt, dass es im Moment wenige deutsche Comiczeichner gibt, die den Erzählfluss – was die Amerikaner „pacing“ nennen – so gut beherrschen wie Jysch. Isa Kreitz fällt einem da ein, oder das Duo Wüstefeld und Graupner vom „UPgrade“. Hier macht sich Arne Jyschs Erfahrung als Drehbuchautor und Storyboardzeichner bemerkbar.
Nun werden einige Fans des Romans die Änderungen bemängeln: Jysch hat die Handlung verdichtet, Figuren eliminiert und einen klassischen Ich-Erzähler eingeführt. Aber genau das macht die Qualität dieses Comics aus. Dies ist eben keine sture Adaption, sondern eine kluge, lesenswerte Neuerzählung.

Der nasse Fisch von Arne Jysch nach dem Roman von Volker Kutscher, Carlsen, 216 S., 17,99 €

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