Bücher

Von allen Seiten: Doktor, es tut so weh

ERIK HEIER
gratuliert dem Verteidigungsminister zu seinem Buchdebüt, um genauso irre zu wirken wie alle anderen

 

Das Buch des Monats heißt natürlich „Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“. An dieser Stelle also Glückwunsch an Karl-Theodor zu Guttenberg. Sein Debüt: ausverkauft, vergriffen. Und das bei einem Preis von 596 Euro für 475 Seiten, das macht 2,08 Euro pro Seite mit mindestens einem Plagiat (Stand: 25.2., 17.17 Uhr, laut GuttenPlag Wiki). Falls jemand jetzt fragt, ob ich hier auch schon irrsinnig werde: Ja, natürlich. Guttenberg macht irre. Es hört ja nicht auf. Vorher, nachher, jetzt. Beim „Spiegel“ zum Beispiel, wo sie noch im letzten Oktober diesen unfassbaren Titel „Die fabelhaften Guttenbergs“ verbrachen, der teilweise ins Quasireligiöse driftete („Lichtgestalt“) und in dem Satz gipfelte: „Erst Stephanie (seine Gattin, aber das wissen Sie vermutlich – d.Red.) macht Guttenberg … zum Mann, dem in der deutschen Politik alles zuzutrauen ist.“ Laut „Stern“-Jörges konnte er mal Kanzler, an seiner überschaubaren politischen Bilanz konnte das schon da nicht liegen, jetzt kann er gehen. Oder die Kanzlerin, der man bisher viel nachsagen mochte, aber nicht Logik-Legasthenie. Nun aber gab selbst Merkel, nachdem Guttenberg von Leugnung (Vorwürfe „abstrus“) auf Läuterung (Rückgabe des Doktortitels) umtopfte, jede Gleichung von Ursache und Wirkung dran: „Die Entscheidung der Uni Bayreuth liegt auf der Linie dessen, was der Verteidigungsminister vorgegeben hat.“ Von mir aus kann er seinen Google-Titel wiederhaben, wenn er dafür künftig nur noch in Franken übers Wasser geht. Damit alle anderen wieder mal normal werden. Herr Doktor, es tut weh. So weh. Bitte machen Sie, dass es endlich aufhört.

(erschienen im tip 6/2011)

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