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Von allen Seiten: Eine Reise weniger wert

ERIK HEIER redigiert mal eben einige Berlin-Guides und macht weitere Vorschläge für notwendige Streichungen 

Da sage noch einer, Klaus Wowereit würde nichts mehr bewirken. Seit der Regierende auf der Admiralsbrücke einen Zusammenhang zwischen den massenhaft die nächtliche Ruhe beeinträchtigenden Feierjugendlichen und der Präsenz der Brücke in diversen Berlin-Reiseführern zog, bekommen deren Verlage Post mit einer dringenden Bitte. Sie mögen die bitte aus ihren Guides streichen. Originelle Idee. Wir verstehen bloß nicht, weshalb man schon da haltmachen sollte. Reisebücher-Verlage, mal herhören! Zum Beispiel: Pub Crawls. Ersatzlos streichen, alle. Dann verelendet zwar die Oranienburger Straße. Immerhin aber ist es für die Tacheles-Leute die halbe Miete. Weiter im Text. Der Reichstag. Weg damit. Die Touristen-Schlange zur Glaskuppel sieht jetzt schon jeden Tag aus, als hätte das MoMa wieder mal seinen Krempel in Berlin zwischengelagert. Eisbär Knut: komplett verschweigen. Vielleicht interessiert sich dann endlich mal jemand für die possierlichen Tüpfelhyänen. Das Berghain: genug davon gelesen. Das Kölner Studienabbrecher-Paar im SM-Knautsch-Outfit vom Second-Hand-Grabbeltisch kann sein wahres Berlin-Feeling doch viel besser im Q-Dorf versenken. Checkpoint Charlie: nein, nein und nochmals nein. Fälschungen gehen gar nicht. Gleiches verfügen wir just darum schon mal für das neualte Stadtschloss, circa ab 2055. Tom Kummer schreibt ja auch keine Reiseführer (übrigens: schade eigentlich). Konsequenterweise müsste außerdem die Einkaufsbastion Alexa auf die Streichliste. Weil doch selbst der Wowereit 2008 befand: „Ort der Hässlichkeit.“ Also bitte. In den Reiseführer-Verlagen haben sie jetzt erst mal gut zu tun.


Weitere Vorschläge für Streichungen oder sonstige Anmerkungen:
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(erschienen im tip 21/2010)

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