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Von allen Seiten: Klappe halten

ERIK HEIER
versucht, das dahinsie­chende Fernseh-Genre der Literatursendungen zeitgemäß wiederzubeleben

 

Braucht ein Land, in dem in den Bestsellerlisten zu den Plätzen an der Sonne merkwürdig oft Vampire Zugang erhalten, eine hochgeistige Fernseh-Literatursendung? Natürlich nicht. Konsequent hat zuletzt das ZDF „Die Vorleser“ ins Senderarchiv entsorgt, im Sommer soll was Neues her. Auf den großen Kanälen irrlichtert nur noch Denis Scheck mit „Druckfrisch“ in der ARD herum. Aber Lesen harmoniert so gut mit anspruchsvollem Fernsehen wie, sagen wir mal: Kochen. Deshalb sind die vielen Kochsendungen so, wie sie sind. Seicht, schlicht, aber mit Mörderquoten. Es braucht daher die Literatursendung neuen Typs: „Klappe halten“. Erstens: Besprochen werden ausschließlich Klappentexte, das entspricht auch genau der Aufmerksamkeitsspanne der meisten Zuschauer. Zweitens: Eingeladene Autoren müssen aussehen, als hätte sie der Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf gecastet: blutjung, weiblich, Schmachtblick. Drittens: Moderator wird die erste Pappnase, die aus dem „Dschungelcamp“ fliegt, so kriegen wir auch BILD mit ins PR-Boot. Außer, es ist Rainer Langhans. Der sagt nämlich Sachen wie: „Das Private ist politisch. Aber das ist für die normalen Leute völlig unpolitisch. Das ist neue Politik. Wer heute noch in der normalen Politik arbeitet, der ist für mich unpolitisch“ (taz, 13.1.). Versteht ja kein Mensch. Und viertens: Mittendrin zischen Gesichter mit Einwortrezensionen durchs Bild: Matze Knop, Sarah Kuttner und diverse TV-Eintagsfliegen, deren genaue Namen man noch mal bei Oliver Geissen erfragen müsste. Es ist doch ganz einfach. Das Fernsehen wird immer schlechter? Machen wir eben mit. Jawollja! Mal sehen, wann sich das ZDF meldet.

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