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Von allen Seiten: Open Mike, später

Ja, ich bekenne: Ich war dabei. Ich habe mitgemacht. Ich auch. Wie so viele. Ich war doch jung.
„Leben und Schreiben nach dem Open Mike.“ So heißt eine Diskussion (12.11., 20 Uhr, Wabe) im Rahmen des Open-Mike-Literaturwettbewerbs 2010 für Autoren bis 35. Dabei ist Inger-Maria Mahlke, letztes Jahr Siegerin, nun Debüt „Silberfischchen“. Oder Judith Zander, Lyrikpreis 2007, erster Roman „Dinge, die wir heute sagten“, auch 2010. So lässt sich’s leben nach dem Open Mike.
Gier ist der Trieb, viel zu kriegen. Und Neid, wenn man es vergeigt hat. Nicht gut genug ist. Auch wenn Gier gerade nicht so angesagt ist: Im Zweifel bin ich lieber gierig.
Einmal saß ich in der Verleihung des Walter-Serner-Preises. Da waren alle Autoren eingeladen, die sich beworben hatten. Als David Wagner seinen Gewinnertext gelesen hatte, mühten sich die vielen missmutigen Nichtsieger, ein herzliches Händeklatschen zu simulieren. Das war kein schönes Bild. Deshalb gehe ich auch zum Open Mike oft mit gemischten Gefühlen. Ich will meinen Neid nicht.
Denn 1998 las ich selbst dort. Die Geschichte handelte von Masturbation, einer Kaffeemafia, einer Explosion. Von Leere. Und ich schwitzte, starrte in das schwarze Loch jenseits der Leselampe. Ich litt. Es war der schlechteste Text, den ich dort je eingereicht hatte. Aber der einzige, den sie nahmen.
Leben und Schreiben nach dem Open Mike. Es hört einfach nicht auf. Aber danke, mir geht es schon viel besser.

18. Open Mike
Wabe, Danziger Straße 101, Prenzlauer Berg, Sa 13.11., 14?Uhr, So 14.11., 12?Uhr; weitere Veranstaltungen am Fr 12.11. und Mi 17.11., www.literaturwerkstatt.org

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