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Von allen Seiten: Panik ist für alle da

ERIK HEIER
verfolgt mit gewissem Amüsement die Debatte um Patrick Bahners Streitschrift gegen Islamkritiker

Hier ist ein interessanter Satz. Panikmache sei es, wenn man die Panikmacher Panikmacher nenne. Die Aussage hat die „Süddeutsche Zeitung“ dem Historiker Hans-Ulrich Wehler zugeschrieben. Das geht natürlich noch besser. Etwa: Panikmache ist, wenn Panikmacher Panikmacher Panikmacher nennen. Wenn ein Leser in diesem Satz noch Platz für einen weiteren Panikmacher findet, möge er mir bitte schreiben. Wehlers Satz ist der SZ zufolge bei einer Diskussion über Patrick Bahners lesenswerte, aber nicht unbedingt vollends überzeugende Streitschrift mit dem Titel, richtig: „Die Panikmacher“ gefallen, Untertitel „Die deutsche Angst vor dem Islam“. Bahners muss einen ziemlichen Brass auf die ganze Islamfeindbild-Debatte haben, die allerdings auch in seinem FAZ-Feuilleton stattfindet, das leitet er nämlich. Das Werk ist übrigens für den Leipziger Buchpreis 2011 nominiert. Originellerweise rezensierte es just in der FAZ ausgerechnet Thilo Sarrazin, mit erwartbar vernichtendem Ergebnis. Auch Necla Kelek, deren Islamkritik Bahners in einem kompletten Kapitel zerpflückt, ist Autorin in seinem Feuilleton und wunderte sich nicht ganz zu Unrecht, wieso sie Bahners zuvor nicht mal angerufen hat. Henryk M. Broder, laut Bahners „Berserker der reinen, inkorrekten, hässlichen Wahrheit“, dankte ihm in der „Welt“ mit seinem Bahners-Bild von der „Kaltschnäuzigkeit eines Dobermanns, gepaart mit intellektueller Anmaßung“. Da verspricht der 23. März im Türkischen Kulturzentrum, An der Urania 15, ab 19.00 Uhr einiges. Bahners diskutiert unter anderem mit Hatice Akyün und Jan Fleischhauer. Vielleicht kriegt dann ja jemand noch mehr Panikmache in einem Satz unter. 

(erschienen im tip 7/2011)

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