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14 frühe Geschichten von Kurt Vonnegut

Kurt_VonnegutDer Tod ist immer eine traurige Sache – weniger für den Verstorbenen als für die Hinterbliebenen. Bei Malern, Schauspielern, Musikern und Schriftstellern beweinen neben der Familie auch die Anhänger des Künstlers dessen Ableben und damit das Versiegen der Quelle neuer Werke. Als Trost bleibt dann nur der Nachlass. Schön, wenn er ergiebig ist und die Erben bereit sind, ihn mit der Trauergemeinde zu teilen.
So ist es glücklicherweise im Fall des deutschstämmigen US-Autors Kurt Vonnegut (1922–2007), der 1969 mit dem Anti-Kriegs- und Dresden-Roman „Slaughterhouse-Five“ („Schlachthof 5“) berühmt wurde. Allerdings hatte der Kettenraucher durch Unachtsamkeit 2001 ein Feuer in seinem Haus in Manhattan verursacht, das einen Großteil seines Archivs vernichtete – wobei nur verwunderlich ist, dass der Schriftsteller nicht versucht hat, BAT zu verklagen, war doch eine filterlose Pall Mall die Brandursache.

Nach „Armageddon in Retrospect“ (2008) – im vergangenen Jahr unter dem Titel „Der taubenblaue Drache“ auf Deutsch erschienen –, hat sich Harry Rowohlt nun den Band „Look at the Birdie“ (2009) vorgenommen: „Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße“ ist somit die zweite postume Veröffentlichung, die Mark Vonnegut – Kurt hatte seinen Sohn nach seinem Vorbild Mark Twain benannt – möglich gemacht hat. Die 14 recht konventionellen Kurzgeschichten aus der frühen Schaffensphase des Perfektionisten erzählen von jungen Menschen im Nachkriegsamerika, die auf den ersten Blick ganz normal wirken.

Doch der geniale Satiriker macht schnell klar, dass sein Interesse nicht der Normalität gilt. Und so lesen wir von Mördern, Verrückten, Sonderlingen oder einfach von Leuten mit einem Geheimnis wie dem Brückenwärter Red Mayo in „Hallo, Rotschopf“. Am besten kommt die leuchtende Sprache des Autors in „König und Königin des Universums“ zum Ausdruck, einer Geschichte über einen arbeitslosen Chemiker, der einem jungen Paar nachts im Park auflauert, um es ans Sterbebett seiner Mutter zu führen. Leider fehlt das aufschlussreiche Vorwort von Sidney Offit, in dem Vonneguts langjähriger Freund darüber spekuliert, warum diese Storys damals nicht gedruckt wurden. Aber wie hätte der Meister gesagt? „So it goes.“

Text: Reinhard Helling
tip-Bewertung: Herausragend
Foto: Caro/Kahnert

Kurt Vonnegut „Ein dreifach Hoch auf die Milchstraße!“, aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt, Kein & Aber, 287 Seiten, 18,90 Ђ

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