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Vorfreude: Rainald Goetz\ „Johann Holtrop“

Gut schaut er aus, weißes Hemd, elegantes Jackett, schöne Lederschuhe. Erst hockte Rainald Goetz noch unter einer Decke zusammengekauert in der Ecke des Büros der Suhrkamp-Pressesprecherin, jetzt steht er da und hält eine kleine Rede zum bevorstehenden Erscheinen seines neuen Romans in einem Monat: „Freude!“ Ein gutes Dutzend Feuilleton-Journalisten sind gekommen, die Einladung der Suhrkamp-Presseabteilung klang etwas skurril, aber nicht unsympathisch: „Am 8. September 2012 erscheint ‚Johann Holtrop‘, der neue Roman von Rainald Goetz. Und der Autor würde Ihnen gerne persönlich ein erstes Exemplar seines neuen Buches überreichen.“ Fasziniert von den Medien und ihren Mechanismen, manisch in ihrer übergenauen Beobachtung, reagiert Goetz mit zuverlässigem Hass auf ihre Vulgaritäten, Dummheiten, Zumutungen. Zuletzt feierte er in der Humboldt-Universität die Zeitung als den größten, täglich fortgeschriebenen Welt-Roman. Und er machte klar, was er zum Beispiel von „Spiegel“-Redakteuren hält: „Das sind Apparatschiks, einer scheußlicher als der andere!“

Auch diesmal: „Es fehlt nicht an Hass und Verachtung“, was das Feuilleton betrifft, aber die Situation gebiete ihm „Höflichkeit“, sagt Goetz. Und macht dann klar, weshalb die Zehnerjahre großartige Zeiten für Literatur seien: Alles ist möglich. Zum Elend des Feuilletons gehöre, dass es in weiten Teilen unfähig zum Argument sei, stattdessen wolle man das Interview, oder, noch schlimmer, das Schriftsteller-Porträt. Kaum hat Goetz seine Rede beendet, marschiert eine Nachwuchskraft vom „Stern“ mit aller „Stern“-typischen Übergriffigkeit auf ihn zu. Es sei sein Traum, ihn, Goetz, endlich einmal zu porträtieren. In diesem Augenblick bewundert man Goetz schon sehr für die geradezu Zen-buddhistische Höflichkeit, mit der er diese mentale Antatscherei an sich abperlen lässt. Dann grüßt Goetz noch die „Springer“-Führungskraft Ulf Poschardt, erklärt einem anderen Journalisten, wie abstoßend Springer-Chef Döpfner sei und begrüßt herzlich einen alten Bekannten vom „Spiegel“. Der neue Roman ist übrigens blau gebunden, und die ersten Sätze lassen an Schönheit nichts zu wünschen übrig.   

Text: Peter Laudenbach

„Johann Holtrop“ ab 10. September 2012

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