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Wer bombt da?

Ein Bombenanschlag erschüttert Berlin, aber den Ur-Berliner lässt das kalt.
„Hatami? Der is keen Fanatiker, wenn Se dit globen“, sagt Einer, der über
seinen festgenommenen WG-Mitbewohner auf der Wache aussagen muss. Der Satz
verrät, dass es in Ralph Gerstenbergs Kriminalroman „Feuer im Aquarium“, dem
dritten mit Kommissar Oeser, nicht nur um das Whodunit geht, dessen erste
Spur zu Islamisten führt. Gerstenbergs Buch erzählt vor allem von den
Menschen dieser Stadt. Im obigen Beispiel vom gesunden Einschätzungsvermögen
Alteingesessener, das über rassistische Vorurteile hinausgeht. Es schildert
aber auch die Einsamkeit: Wie ein alternder Kommissar im Dienst schlagfertig
ist, sich als Verliebter aber lieber an die überschaubare Kleinwelt seines
Aquariums als an seine Nachbarin heranwagt. Nicht zuletzt geht es darum, wie
Leute verschiedener Regionen gemeinsam für eine Sache kämpfen: Ein
paralleler, aber nicht unabhängiger Erzählstrang handelt vom Arbeitslosen
Henry Palmer, der mit anderen Kleindarstellern aus allerlei Gegenden als
Kanonenfutter auf bayerischen Übungsschlachtfeldern für US-Soldaten
arbeitet. Als es ihnen zu viel wird mit dem Abgeballertwerden, wollen sie
gegen jede Vereinbarung den Aufstand proben.
 
Die Figuren sind Menschen mit Vorahnungen. Sie wissen, dass sie nicht ewig
davonlaufen, sondern sich irgendwann den Dingen stellen müssen. Und sei es
nur dem Mann im Spiegel. Der schärfste Kritiker. „Wohin willst Du? Wenn der
Typ nur verlegen grinst oder mit den Achseln zuckt, hat man ein Problem.“.
 
Ralph Gerstenberg, „Feuer im Aquarium“, Grafit, 288 Seiten, 9,50 Euro

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