Bücher

„Witzel“ von Erik Heier

Erik Heier
„Die Paarung der Feuerwanzen“ ist ein Buchtitel des Stuttgarter Schriftstellers Martin Gülich. Auf dem Cover ist eine sich paarende Feuerwanze zu sehen, soweit ich das beurteilen kann. Ich kenne mich mit Feuerwanzen nicht so gut aus. Sie reißt jedenfalls auf dem Bild die Augen weit auf. Das Buch gibt es aber nicht, Gülich es nie geschrieben. Titel und Cover sind im entzückenden Sammelband „Die Bibliothek der ungeschriebenen Bücher“ zu finden, das Annette Pehnt, Friedemann Holder und Michael Staiger vor einem Jahr herausgegeben haben. Lauter wunderbare Buchtitel, für die es leider keine Bücher gibt. Diesem Konjunktiv-Genre haben der Publizist Sascha Lobo und der „Spiegel“-Literaturredakteur Volker Weidemann nun einen blödsinnigen neuen Dreh hinzugefügt. In der Erstausgabe des „Literatur Spiegels“ feierte Lobo ein Buch ab, das er sich samt der Schriftstellerin dazu komplett ausgedacht hatte. Angeblich wollten die beiden zeigen, dass selbst hanebüchener Unsinn nicht als solcher auffällt, wenn er in seriösen Medien auftaucht. Ich fände es jetzt lustig, wenn freie Literaturkritiker nun den Weidermann mit Rezensionen von erfundenen Buchtiteln zuspammen. Je bizarrer, desto besser. Der durchgeknallteste Titel des Jahres ist allerdings schon weg: „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“. Dafür gewann Frank Witzel gerade den Deutschen Buchpreis. Ein tolles Buch. Nicht, dass jetzt jemand denkt, Sascha Lobo hätte auch noch den Witzel erfunden.

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