Bücher

Wurmbefall

Frank Herberts „Dune“

Bei Dune, dem „Wüstenplaneten“, ist irgendwie der Wurm drin. Das gefühlt 20.000-seitige Sci-Fi-Epos mit den etwas albernen, Godzilla-mäßigen Fortsetzungstiteln („Die Kinder des …“, „Der Herr des …“, „Der Gottkaiser des …“), um die Landadelsfamilie Atreides, die mit Drogen-Ackerbau und Riesenwurm-Viehzucht die Galaxis kontrolliert, überforderte bisher jeden, der etwas Eigenes aus Frank Herberts Vorlage machen wollte. Speziell in den Verfilmungen. David Lynchs „Dune“ war ein Meisterwerk des Designs, konnte die Komplexität des Stoffs aber nicht auf Filmlänge verdichten, wirkte so konfus wie ein Fiebertraum. Dann gab es da noch irgend so eine zehnteilige Pro 7- Eurotrash-Fernsehserie mit Uwe Ochsenknecht. Jetzt ist die Hörbuchversion des ersten der sechs „Dune“-Bücher erschienen – Komplettlesung, 1500 Minuten. Leider auch eine milde Enttäuschung.

Dune_der_WuestenplanetDas zeigt sich bereits in den ersten Minuten, in denen das Intro indifferente Stimmung erzeugt: Popjazz-Musik wie beim ZDF-Fernsehgarten. Die „Dune“-Familie als Wicherts von nebenan. Simon Jäger (Heath Ledger, Matt Damon), der die meisten der Charaktere spricht, ist theoretisch variabel, benutzt in den Frauenrollen aber eine einfallslose Stimme. Alte Sektiererinnen sind bei ihm, leichter kann man es sich nicht machen, krächzende, kehllautige Biester. Diese Fahrigkeit überträgt sich auch auf die Umsetzung der starken, unterschwellig sexuellen Buch-Eröffnungssequenz, in der die alte Sektiererin den jungen Adelssohn Paul Atreides mittels einer Phantomschmerz-Hand-Box auf seine Leidensfähigkeit prüft (und damit als Führerfigur identifiziert), und hier so wenig würdevoll dramatisch ist ist wie eine Seifenoper.

Pluspunkt: Jürgen Prochnow, der schon in der Lynch-Verfilmung mitspielte und hier seinen Herzog Atreides als selbstzweifelnden, melancholischen Mann interpretiert, die Armeen führen, aber vor den magischen Fähigkeiten seiner Frau kapitulieren muss.

Dune 1 +2: Der Wüstenplanet, 2 x 12 CDs, ca. 1500 Minuten Spielzeit, Sprecher: Jürgen Prochnow, Simon Jäger, Marianne Rosenberg, Lübbe Audio, jeweils 17,47 Euro.

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