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Yvonne Feller und Florian Flechsig über ihren Versuch, reich zu werden

Foto: feller, Flechsigtip: Frau Feller, Herr Flechsig, haben Sie beide tatsächlich damit ge-rechnet, innerhalb eines halben Jahres Millionär zu werden?

Yvonne Feller:?Am Anfang schon, ja. Es schien zunächst auch gar nicht so schwer zu sein. Mit der Zeit wurde unsere Hoffnung natürlich zunehmend geringer.

tip: Wie sind Sie überhaupt auf diese Idee gekommen?

Florian Flechsig:?Zunächst war das natürlich eine Schnapsidee. Wir saßen abends am Landwehrkanal in Kreuzberg und hatten auch schon ein paar Bierchen getrunken.

Yvonne Feller:?Wir waren beide auf der Suche nach Ideen für unsere Diplomarbeit. Dabei sind wir irgendwie abgeschweift. Wir haben überlegt, wie toll es wäre, nach dem Diplom ein bisschen Geld auf der hohen Kante zu haben. Damit könnte man sich direkt selbständig machen. Also wollten wir versuchen, mit dem Diplom auch gleich reich zu werden.

Florian Flechsig: Und wir wollten herausfinden, was passiert, wenn zwei Leute gegeneinander antreten, um Millionär zu werden. Das war also auch ein kleines Medien­experiment.

tip: Was war auf dem steinigen Weg zum Millionär für Sie die unangenehmste Erfahrung??

Florian Flechsig:?Ich wollte Berliner Luft verkaufen. Dafür habe ich versucht, Berlin-typische Gerüche zu generieren. Am Ende hatte ich dann die Duftnoten „Hundekot“, „Amt“, „Rauch & Suff“ und „Döner Spezial“. Die unterschiedlichen Tinkturen habe ich in meiner Küche hergestellt und mittels Injektion in Luftpolsterbeutel gebracht. Die konnte man dann prima platzen lassen, Berlin-Stinkbomben eben. Ich habe dabei aber komplett unterschätzt, was die Produktion für eine stinkige Angelegenheit ist. Und reich bin ich damit auch nicht geworden.

tip: Frau Feller, Sie wollten mit einem Superhit die Charts stürmen. Hat das denn funktioniert?

Yvonne Feller:?Unter dem glamourösen Künstlernamen „Uschi International“ habe ich mein Glück versucht. Einen Tag lang habe ich zu Hause vor mich hingesummt, bis die Melodie stand. Als ich am nächsten Tag mein Bad sauber gemacht habe, sah ich dann auch den Text glasklar vor meinen Augen: „Ich putze, ich wische alles ab. Ich putze, damit ich’s schöner hab.“ Mein Onkel hat ein kleines Heimstudio, da haben wir den Gesang aufgenommen und alles zusammengemischt. Ich habe auch verschiedene Plattenfirmen angeschrieben. Von den großen Firmen hat sich allerdings niemand gemeldet — da hat wohl ein Praktikant mein Potenzial nicht erkannt. Aber eine kleine Plattenfirma fand mein Lied ganz lustig. Jetzt gibt es den Song zum Runterladen bei iTunes und Konsorten. Wir haben auch noch ein Video gedreht — aber die Million konnte ich mit meinem Superhit-Versuch nicht knacken.

Florian Flechsig: Der Knüller ist auch, dass das Lied sogar mal bei Frauentausch auf RTL2 lief. Das wurde tatsächlich als Hintergrundmusik gespielt, als eine Putz-Fanatikerin geschrubbt hat.

tip: Berlin wimmelt auch nur so von Touristen als Verdienstquelle …?

Florian Flechsig: Es liegt ja nahe, den Touristen ein bisschen Geld aus der Tasche zu ziehen. Also bin ich als „Knut der Eisbär“ verkleidet durch die Stadt gezogen, um als kostenpflichtiges Foto-Objekt zu fungieren. Nun sind Eisbär-Kostüme aber leider sehr teuer. Für die Ausleihe übers Wochenende musste ich 50 Euro berappen. Und ich konnte den Job leider auch nur einen Tag machen: Unter dem dicken Kostüm habe ich tierisch geschwitzt und draußen war es eiskalt. Am nächsten Tag hatte ich dann eine dicke Erkältung, sodass ich kein Geld mehr verdienen konnte. Verloren habe ich durch die Aktion 25 Euro.

tip: Sie haben visuelle Kommunikation studiert. Lässt sich mit künstlerischen Ergüssen der ein oder andere Euro verdienen??

Florian Flechsig:?In den USA hat mal jemand einen Toast mit dem Schimmel-Abbild von Elvis für ein paar tausend Dollar verkauft. Da bietet es sich an, hier Gewinn herauszuschlagen und Erscheinungen zu provozieren. Ich habe also auf Backpapier ein Muster aus Pommes gelegt und das Ganze bei maximaler Hitze gebacken. Danach waren die Bereiche, auf denen die Pommes lagen, hell. Der Rest war total verkohlt. Auf diese Weise hatte ich allerhand Erscheinungen. Zum Beispiel Jesus, der aber ein bisschen aussah wie Bob Marley. Meine Erscheinungen habe ich dann bei eBay angeboten, komischerweise hat sich aber niemand dafür interessiert. Später hat dann doch noch jemand für 15 Euro einen Elvis bei mir bestellt. Für den Preis gab es sogar noch einen Jesus obendrauf.  

tip: Haben Sie auch an der Börse spekuliert?

Florian Flechsig:?Ja. Und ich weiß jetzt: Wer an der Börse Millionär werden will, der sollte Bock auf Zahlen haben. Er muss sehr diszipliniert sein und sich gut organisieren können. Ein Wirtschafts­studium kann auch nicht schaden. Leute wie ich, aus der kreativen Ecke, haben es da eher schwer. Durch meine Finanz­spekulationen habe ich ungefähr 3000 Euro in den Sand gesetzt. Mit dem „Spielgeld“ war das für mich eine nette Erfahrung — mit meinem eigenen Geld würde ich das allerdings nicht wieder tun.

tip: Wie reich waren Sie zum Ende Ihres Selbstversuches? ?

Yvonne Feller:?Mit knapp 2000 Euro war ich der klare Sieger. Florian hatte nach seinem Spekulationsfieber nur noch etwas unter 1000 Euro vorzuweisen.

Florian Flechsig:?Unsere Diplomarbeit hat dann auch noch eine ganze Menge Geld verschlungen. Unterm Strich hatten wir von unserem Millionengeld hiernach noch ungefähr 50 Euro übrig. Und davon waren wir dann schön Schnitzel essen und Bier trinken.

tip: So viel Mühe für so wenig Geld. Würden Sie es wieder tun??

Yvonne Feller:?Na klar. Wir sind zwar nicht Millionär geworden, aber wir haben unser Diplom super geschafft. Es war eine sehr spannende Zeit. Obendrein konnten wir auch noch ein Buch herausbringen.

tip: Bringt Sie Ihr Buch der Million nun wenigstens etwas näher??

Yvonne Feller:?Nein. Damit wir damit Millionäre werden, müssten wohl ein bis zwei Millionen Bücher verkauft werden.

Interview: Wenke Heuts

Yvonne Feller & Florian Flechsig: „Wir sind jung und brauchen das Geld. Ein Selbstversuch“ dtv premium, 272 Seiten, 13,90 Ђ

Buchpräsentation Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, Mi 9.2., 20 Uhr

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