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„Zone One“ von Colson Whitehead

zone_oneWas genau in New York passiert ist, erfährt man nicht. Colson Whitehead beschreibt nur, wie es dort nach der letzten Nacht aussieht: „Die Asche verschmierte die Palette der Stadt auch am schönsten Tag zu einem stummen Grau, aber man brauchte nur Wolken und ein bisschen Niederschlag hinzufügen, und sie wurde zu einem der Finsternis geweihten Altar.“ Die wenigen Überlebenden einer Pandemie müssen die Übermacht der zombiehaften Skeletons fürchten und haben sich hinter eine Mauer in die „Zone One“ im Süden Manhattans zurückgezogen. Dort durchsucht Mark Spitz mit seiner dreiköpfigen Sweeper-Einheit „Omega“, einer Art Reinigungstrupp, Block um Block nach Bestien. Den Wiederaufbau leitet eine Übergangsregierung in Buffalo, doch nach einer schnellen Rückkehr zur Normalität sieht es nicht aus.

Seit seinem Debüt mit „Die Fahrstuhlinspektorin“ (1999) und den nachfolgenden „John Henry Days“ gehört Colson Whitehead zu den vielversprechendsten US-Autoren der jüngeren Generation. Der 44-jährige in der Upper East Side aufgewachsene Afroamerikaner hat schon über Fahrstuhlinspektoren, den Eisenbahnbau, Briefmarkensammler, Werbetexter in der Provinz und eine Jugend auf Long Island geschrieben. Dabei hat er als literarische Form alles zwischen Roman, Essay und Autobiografie ausprobiert. Nun also Zombies.

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Für seinen fünften Roman, der ein Wochenende umfasst und immer wieder Spitz’ Erinnerungen zwischen die Szenen aus Blut und Gewalt schiebt, konnte der Harvard-Absolvent Whitehead auf seine Erfahrungen als Filmkritiker für die „Village Voice“ zurückgreifen. Doch als was soll man dieses kühn und klug montierte Buch bezeichnen – als Science-Fiction oder als Persiflage des Horrorromans? Bei der Beantwortung der Frage ist der Autor wenig hilfsbereit: „‚Zone One‘ ist dem Sinne ein Zombie-Roman, wie ,Die Fahrstuhlinspektorin‘ eine Detektivgeschichte war.“ Demnächst erscheint in den USA sein Buch „The Noble Hustle: Poker, Beef Jerky & Death“, eine Analyse der World Series of Poker 2011. Wieder ein neues Thema, wieder eine neue Form. Whitehead bleibt bei allem, was er schreibt, seiner Vielseitigkeit treu.

Text: Reinhard Helling

tip-Bewertung: Lesenswert

Colson Whitehead: „Zone One“ ?aus dem Englischen von Nikolaus Stingl, Hanser, 302 Seiten, 19,90 Ђ

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