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Zum 70. von Wim Wenders erscheint „Der Himmel über Berlin“ als Comic

Zum 70. von Wim Wenders erscheint

Leer war das Berlin der Vorwendezeit, auch bei Wim Wenders. Die Brachen inmitten der Stadt, Unorten gleich, grau, vernarbt und zerschlissen. Unter dem titelgebenden Himmel träumten seine desolaten Engel Damiel und Cassiel von der Sterblichkeit. Im Zeitlupentempo fing der Film die Poetik einer absurden Stadt ein, auf der noch der Krieg lastete, in der das Surreale mit dem Schnoddrigen verschmolz und die düstere Subkultur mit Sehnsucht und Einsamkeit der Figuren. „Der Himmel über Berlin“ setzte der Mauerstadt ein Denkmal, ein sperriges, Geduld einforderndes Denkmal. Das wurde jetzt, 28 Jahre nach der Premiere und pünktlich zum 70. Geburtstag des Regisseurs am 14. August, von dem Hamburger Duo Sebastiano und Lorenzo Toma als bebildertes Buch neu gedacht.
Die beiden Künstler sind keine klassischen Comiczeichner, sie arbeiten multimedial zwischen Film, Tanz, Theater und Musik. Genre-Übergänge gewohnt, folgen sie in ihrer Adaption dem Drehbuch, den Protagonisten und Dialogen mit Respekt, aber nie sklavisch. Sie inszenieren aus harten Kontrasten und feinen Schattierungen eine Bilderwelt in Schwarz und Weiß, ergänzt nur von goldenen Einsprengseln. Mehr Illustration als Graphic Novel, erschließen die Tomas Atmosphäre und Ästhetik und werden der Vorlage durchaus gerecht, auch weil sie sich statt einer schnöden Eins-zu-eins-Umsetzung Frei- und Spielräume erlauben. So haben sie etwa die Handlung aus den 80ern in die Gegenwart verlegt. Ein radikaler Entschluss, der in diesem Fall funktioniert.
Der Potsdamer Platz ist dicht bebaut, der poröse „Molecule Man“ steht in der Spree unweit der Elsenbrücke und an der Brandmauer neben der Cuvrybrache prangt Blus berühmtes Wandbild. Letzteres mittlerweile weg, schwarz übermalt, so wie auch die Mauer von der East Side Gallery verdeckt ist. Die Zeit dreht sich weiter, Berlin ist nicht mehr grau und leer, der Himmel nicht ganz so bleischwer, doch Wenders’ Engel sind noch da. Irgendwo da draußen.

Text: Jacek Slaski

Foto: Sebastiano & Lorenzo Toma/ Jacoby & Stuart

Der Himmel über Berlin nach dem Film von Wim ­Wenders und dem Drehbuch von Wim Wenders, Peter Handke und Richard Reitinger, Adaption von Sebastiano Toma?& Lorenzo Toma, ?Jacoby & Stuart, 192 S., 24 Euro

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