Ades Zabel Company: „Think local, laugh global“

Mit wem spreche ich hier? Mit den Menschen dahinter oder mit den Kunstfiguren?
Ades Zabel Mit den Künstlern. Ich werde seit Jahren auch bei Edeka erkannt.
Bob Schneider Meine Figur, Kneipenwirtin Jutta Hartmann, reicht mir auf der Bühne.
Biggy van Blond Ich bin heute gleichfalls privat.
Inzwischen sitzen da dieselben Leute, die wir parodieren
Ades Zabel
Eure neue Show „Drei Drachen vom Grill“ ist das Wiederaufleben einer Film-Persiflage aus den 90ern? Gehen die Ideen aus?
Ades Ich sage nur: Lebenswerk! Außerdem brauchten wir einen Titel, der catchy ist.
Bob Wir parodieren nicht das Fernsehoriginal der „Drei Damen vom Grill“. Die kennt ja heute kein Mensch mehr.
Biggy Heute kennt man eher uns. Wir sind aus der Geheimtippnische raus.
Euer Publikum ist erfrischend gealtert – und normal geworden?
Ades Seit der Pandemie. Inzwischen sitzen da dieselben Leute, die wir parodieren. Manchmal mit ähnlichen Katzen-T-Shirts wie Edith Schröder auf der Bühne. Die sehen wir dann am Merchandising-Stand wieder.
Bob Ich finde es schön zu sehen, dass die Leute den liebevollen Tritt vors Schienbein zu schätzen wissen. So viel Eigenhumor haben die.
Deine Brigitta Mira-Parodie gehörte zum Schönsten, was ich von Dir gesehen habe…
Bob Herzlichen Dank! Und dabei war ich damals 50 Jahre zu jung. Geschult hatte ich mich an Georg Thomalla in den „Tolle Tanten“-Filmen der 70er. Vor allem bin mit Omas aufgewachsen. Männer gab es in unserem Haushalt nicht. Heute empfinde ich es als Gnade, dass ich den Charakteren, die ich spiele, entgegen altere.
Ades Ich war innerhalb meiner Familie ab dem Tag anerkannt, als mein Vater mich in der BZ entdeckte. Bei „Mutti – der Film“ wurde abgefeiert.
Biggy Meine Mutter kommt mehrfach. Sie schleppt ihre Freundinnen mit.
Für die neue Produktion wurde ein Crowdfunding veranstaltet. Hat’s was gebracht?
Ades Wir haben ein Drittel der Produktionskosten finanziert. Ich kann, wenn das so weitergeht, auf Rente gehen.
Bob Immer wenn wir was gepostet haben, kam was. Hätte man jemanden eigens dafür, es würde noch mehr bringen. Aber das kostet dann wieder.
Wer schreibt Eure Shows?
Biggy Wir zusammen. Wir sind unsere eigenen Skriptgirls. Seit 16 Jahren haben wir mit Bernd Mottl einen echten Regisseur. Wenn der kommt, sind die Shows aber noch nicht fertig.
Ades Unsere Ursprungsidee entsteht am Tisch, der Rest während der Proben.
Eure Figuren altern kaum. Wie lange kann das gutgehen?
Biggy Als Kiezschlampe verkörpere ich einen alterslosen Typus. Ich mache das so lange, wie es geht.
Bob Der Witz ist eigentlich, dass Ades und ich Mutterrollen verkörpern, bloß ohne Kinder. Wir waren jahrelang zu jung dafür.
Eure Stücke sind Jukebox-Musicals – mit Halb-Playback. Wer wählt die Titel?
Ades Auch da bilden wir ein stabiles Trio. Wir sind, da wir die meiste Zeit im BKA verbringen, wie eine WG.
Biggy Die Musik muss zum Elan der Szene passen, und sollte nicht zu unbekannt sein. Wir haben das Jukebox-Musical eigentlich erfunden. Jetzt machen’s alle.
Die meisten Künstler Eurer Szene touren ständig. Ihr nicht!
Ades Es war zu aufwendig und hat sich nicht gelohnt.
Biggy Außer im Schmidt-Theater in Hamburg.
Bob Und am Wandsbeker Markt. Verstanden wird unser Humor überall. Think local, laugh global.
Wie ist es möglich, dass auch sehr gute Gags irgendwann nicht mehr funktionieren?
Ades Der Witz mit den U-Bahn-Stangen zum Festhalten, die wir in der Tasche mitführen, sorgte anfangs für Riesenlacher. Es gibt Pointen-Trends.
Bob Ost-Witze waren früher ein Traum, dann fiel das flach. Jetzt funktionieren sie wieder. Kannst du uns das erklären?
Ihr seid „die wichtigste Säule des BKA-Theaters“ und könnt hoffentlich davon leben. Die Zeit der Selbstausbeutung ist vorbei?
Ades Ja, aber wir wären nicht hier, hätten wir von Anfang an darauf verzichtet. Heutige haben es schwerer, weil das Leben teuer geworden ist. Wir waren die subkulturelle Frucht der Mietpreisbindung.
Biggy Wir haben – und brauchen auch – die Cashcow unserer Weihnachtshow „Wenn Ediths Glocken läuten“. Der Sommer ist mitunter eine schwere Zeit. Andererseits: Früher haben wir bei 160 Leuten aufgejauchzt. Heute stöhnen wir. Das nennt man dann ‚etabliert‘?
Bob Wir haben keine Garderobiere und machen unsere Maske selbst. Nach der Show müssen wir aufräumen. Und man glaubt nicht, wie das hier oft aussieht.
Ades Zabel Company
Besteht seit gut einem Vierteljahrhundert – und ist Amtsnachfolgerin der Kabarettgruppe „Die Teufelsberger“. Das Trio Ades Zabel (62), Biggy van Blond (47) und Bob Schneider (64), erfand die seit 1980 aktive Langzeitarbeitlose Edith Schröder und das „Neuköllnical“ und erfreut seit langem mit Shows wie „Linie 8“, „Hostel Hermannstraße“, „Die wilden Weiber von Neukölln“ und „Fly, Edith, Fly“. Von der Trash-Travestie hat man sich zum Berliner Klassiker entwickelt.
„Funny Bones“ lautete der Titel eines Films mit Jerry Lewis. Ist Komik eine Sache des Knochenbaus?
Ades Am Comedy-Boom, glaube ich, kann man ablesen, dass Komik lernbar ist.
Biggy Aber nicht auf Dauer. Der Grundfunke muss aus dir kommen. Und drin sein.
Hast du schon jemals eine Diät gemacht?
Biggy Nein, denn ich ernähre mich von Licht. Kann essen, was ich will.
Bob Bei den Proben nehmen wir gut zu. Denn schreiben macht dick. Bei den Vorstellungen nehmen wir wieder ab.
Werdet Ihr drei Griller demnächst von dem legendären Kreuzberger Imbiss Curry 36 übernommen?
Ades Ich esse dort selten was.
Bob Ich bin inzwischen Vegetarier. Esse Pommes.
Biggy Ich kenne keine Limits. Ablehnen würde ich nur Menschenfleisch.