Theater in Berlin: Unsere Tipps für den August

Joyful Failure trotzt dem Leistungsdruck
Scheitern gilt in der Gesellschaft oft als Makel – die Kunst eröffnet andere Perspektiven. Christoph Schlingensief begriff das Scheitern als Chance, Samuel Beckett brachte es auf die berühmte Formel: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ Daran knüpft laborgras an: Gemeinsam mit sechs Tänzer:innen und einem Musiker werden Zögern, Unsicherheit und Scheitern nicht überspielt, sondern als zutiefst menschliche Erfahrungen sichtbar gemacht.
Radialsystem Holzmarktstr. 33, Friedrichshain, Do 6.8., 19 Uhr (P), Fr 7. + Sa 8.8., 19 Uhr, So 9.8., 18 Uhr, 12-25 €, mehr Infos
Studies on Infinity – Nudity and Landscape
In ihren Arbeiten begreift die Choreografin Isabelle Schad den Menschen nicht als isoliertes Wesen, sondern als Teil eines größeren Ökosystems. Der respektvolle Umgang mit der Natur und die Einbeziehung natürlicher Materialien auf der Bühne zählen zu ihren wiederkehrenden Motiven. Im Zentrum der neuen Performance „Studies on Infinity – Nudity and Landscape“
steht die Haut – zugleich Grenze und Verbindung zwischen dem eigenen Körper und seiner Umgebung. In einem kontinuierlichen Flow werden die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt sinnlich erfahrbar.
Uferstudios Badstr. 41a, Gesundbrunnen, Do 6.8., 19 Uhr, Fr 7. + So 9.8., 20 Uhr, 10–20 €, mehr Infos
Manege frei: Berlin Circus Festival

Jetzt ist das Dutzend voll – und das gleich in mehrfacher Hinsicht: Die zwölfte Festivaledition präsentiert an zwölf Tagen 19 Produktionen des zeitgenössischen Zirkus. Nach der Eröffnungsparty markiert die französische Compagnie Out of the Blue mit „Naïade“ (6.–8.8.) den Auftakt. Darin lotet sie die Möglichkeiten des Körpers unter Wasser aus. Einen Tag später präsentiert die Schweizer Cie Moost mit „the smallest thing“ (7.+8.8.) das Ergebnis ihrer Festivalresidenz – eine poetische Arbeit, die mit akrobatischem Minimalismus von den kleinen Dingen des Lebens erzählt.
Tempelhofer Feld Eingang Tempelhofer Damm nahe U- und S-Bahnhof Tempelhof, Festival, Mi–So 5.–16.8., 13–23,50 €, Festivalticket 187–370 €, mehr Infos
Plädoyer für Empathie: Woyzeck
Mit poetischen Bildern, Musik und intensivem Körpertheater hat sich das Ton und Kirschen Wandertheater einen eigenen Stil erarbeitet. Auch in Georg Büchners Dramenfragment entfaltet diese Ästhetik ihre Wirkung. Statt einer radikalen Dekonstruktion entsteht eine atmosphärisch dichte und berührende Lesart des Klassikers, die eindrucksvoll vor Augen führt, wohin strukturelle Diskriminierung und Entmenschlichung führen können.