Die besten Repertoirestücke im Juni

„Egal“

Erik arbeitet als Übersetzer, während seine Frau Simone als Ingenieurin in einem aufstrebenden Unternehmen Karriere macht. Als sie ihm nach einer Geschäftsreise ein Geschenk mitbringt, eskaliert ein handfester Streit. Die furiose Farce offenbart, dass die beiden trotz ihrer vermeintlich progressiven Haltung weiterhin von tradierten Rollenbildern geprägt sind.
Schaubühne Di 2.6., 20.30 Uhr, Mi 3.6., 19.30 Uhr, weitere Termine, mehr Infos
„Blinded by Delight – Grand Show“
Im Zentrum steht die Protagonistin Luci, die zu Beginn in einer Traumwelt erwacht und im Laufe des Abends erkennt, wie wichtig es ist, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Traumhaft sind auch die rund 500 farbenprächtigen Kostüme des US-Star-Designers Jeremy Scott, die zwischen Pop-Art und Haute Couture changieren. Wenngleich die Songs nicht immer zünden, die Artistik reißt es wieder raus.
Friedrichstadt-Palast Di 2.6., Do 4.6., So 7.6., 19.30 Uhr, Termine fast täglich, mehr Infos
„Die heilige Johanna der Schlachthöfe“
„Gewalt hilft, wo Gewalt herrscht“: Dušan David Pařízek hat den Brecht-Klassiker u.a. mit der stark spielenden Stefanie Reinsperger als Maulerin und der ebenso beeindruckenden Kathleen Morgeneyer in der Titelrolle inszeniert.
Berliner Ensemble Di 2.6., Mi 3.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Unser Deutschlandmärchen“
von Dinçer Güçyeter, Regie: Hakan Savas Mican, mit Taner Sahintürk und Sesede Terziyan – Dinçer Güçyeter zeichnet in seinem Romandebüt „Unser Deutschlandmärchen“ (2023) biografische Momente seiner Mutter nach, die in den 1960er-Jahren als Gastarbeiterin aus der Türkei nach Deutschland kam. Hakan Savaş Mican adaptiert die Familiengeschichte als musikalischen Abend mit Taner Şahintürk und Sesede Terziyan. Die Inszenierung wurde zum Theatertreffen 2025 eingeladen und ist nun zum letzten Mal zu erleben.
Maxim Gorki Theater Mo 1.6., Mi 10.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Dschinns“
Jahrzehnte lang hat Hüseyin in Deutschland geschuftet, um sich eine Eigentumswohnung in Istanbul zu leisten zu können. Am Tag des Einzugs erleidet er einen Herzinfarkt. Frau und Kinder können den Wunsch ihres Vaters, sich hier niederzulassen, nicht erfüllen. Nurkan Erpulats „musikalisch-melancholische Bühnenfassung“ besticht auch durch Aysima Ergüns mitreißender Darstellung der jüngsten Tochter Peri. Nurkan Erpulats Inszenierung ist zum letzten Mal zu sehen.
Maxim Gorki Theater Do 4.6., Di 9.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Der Hauptmann von Köpenick“

Max Hopp, selbst gebürtiger Köpenicker, hat den Klassiker herausragend verdichtet. Er liest und spielt den Schuster Voigt ebenso wie den Uniformzuschneider Wabschke, Bürgermeister Obermüller, die Plörösenmieze und viele weitere Figuren aus der Köpenickiade, die sich 1906 ereignete. Für den ebenso fantastischen Soundtrack zeichnet die Saxofonistin Doris Decker verantwortlich. Im Interview spricht Max Hopp mit uns auch über die Folgen preußischer Gehorsamkeit.
Berliner Ensemble Do 4.6., 19.30 Uhr, Mi 10.6., 20 Uhr, Mi 17.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Wachs oder Wirklichkeit“
Christoph Marthaler gelingt bei seiner Rückkehr an die Volksbühne die Balance zwischen Komik und Melancholie. Im Bühnenbild von Anna Viebrock erwachen scheinbare Wachsfiguren zum Leben, intonieren u.a. Taylor Swift oder Snap. Deren Hit „Rhythm is a Dancer“ wird auf die Wiederholung des ersten Akkords des Refrains reduziert und bildet den Rahmen eines Abends, der lange nachhallt.
Volksbühne Fr 5.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Berlin Karl-Marx-Platz – Der Abschluss“
Micans Stadt-Trilogie erzählt eine Liebesgeschichte einer Ost-Berlinerin und eines Deutsch-Türken kurz nach Mauerfall. Zu sehen ist die überarbeiteten Fassung mit modifiziertem Text, neuer Musik und neuer Besetzung: Taner Şahintürk und Sesede Terziyan begeistern in den Hauptrollen. Zum letzten Mal!
Maxim Gorki Theater Fr 5.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Bucket List“
Das beeindruckende Musiktheaterstückvon Yael Ronen & Ensemble sowie Shlomi Shaban (Songs) wurde im vergangenen Jahr zum Theatertreffen eingeladen. Eines Morgens erwacht der Protagonist und erkennt die Welt nicht wieder. Sämtliche Gewissheiten sind verschwunden. Stattdessen erlebt der Patient eines Neurologie-Start-Ups Phantom-Erinnerungen, die jedoch nur temporär sein sollen. Versprochen wird ihm eine Gegenwart, in der die Vergangenheit keine Rolle mehr spielt.
Schaubühne Sa 6.6., 20.30 Uhr, So 7.6., 20 Uhr, Mo 8.6., 20 Uhr, mehr Infos
„Irgendetwas ist passiert“

Fabian Hinrichs entwickelte das Solo mit seiner Frau Anne Hinrichs. Die eindringliche Bestandsaufnahme zu den Krisen der Gegenwart knüpft an den Gestus der großartigen Pollesch-Hinrichs-Kollaborationen an. Dem äußerst sehenswerten Abend gelingt aber eine eigene Sprache und Haltung. Mehr über „Irgendetwas ist passiert“ lest ihr hier.
Volksbühne So 7.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Na also. Geht doch. “
Man weiss sich nämlich sehr gut zu helfen, wenn die Diva des städtischen Theaters, mit der man durch den Beruf als Souffleuse quasi symbiotisch verbunden ist, zum Tee vorbeischaut und – ganz plötzlich – nicht mehr am Leben ist. Und versucht aus der abgelebten Kunstfigur eine wahrhafte Kunstfigur zu machen. Doch die unerwartete Tätigkeit geht nicht nur leicht von der Hand, werfen doch die letzten Handreichungen für die Grande Dame des Theaters auch Fragen auf, die das eigene Selbstverständnis in Frage stellen. Hier lest ihr, warum die 89-Jährige Nicole Heesters die perfekte Wahl für „Na also. Geht doch. “ ist.
Renaissance-Theater Di 9.6.– So 14.6., 19.30 Uhr, weitere Termine, mehr Infos
„Hannah Zabrisky tritt nicht auf“
Der Alptraum einer Theaterproduktion: Kurz vor der Premiere weigert sich die Hauptdarstellerin Hannah Zabrisky, mit den Proben fortzufahren. Der Grund dafür liegt nicht am künstlerischen Konzept. Die Schauspielerin leidet an einer existentiellen Krise: Ihr Motor, der Glaube daran, mit Kunst etwas bewirken zu können, ist ins Stottern gekommen. Disruptive Kräfte haben längst an Macht gewonnen. Autor und Regisseur Falk Richter arbeitet in der Uraufführung heraus, wie Konflikte auf der Bühne und in der Realität verzahnt sind.
Schaubühne Di 9.6.– Do 11.6., 20 Uhr, mehr Infos
„ja nichts ist ok“
René Pollesch und Fabian Hinrichs waren ein eingespieltes Team. Die letzte gemeinsame Arbeit kam kurz vor Polleschs Tod im Februar 2024 zur Premiere. Meisterhaft stellt der Abend komische und eindringlich berührende Momente dar und war im Mai 2025 folgerichtig beim Theatertreffen zu sehen.
Volksbühne Sa 13.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Geht es dir gut?“
Zu Beginn tritt Fabian Hinrichs gemeinsam mit den Afrikan Voices und Bulgarian Voice an die Rampe. „Ich war weg“, singen die Chöre – und verschwinden wieder. Hinrichs streift anschließend über die leere Bühne, wiederholt mantrenartig die Titelfrage und antwortet schließlich: „Ich bin müde. Müüüüdeeee.“ Der packende Abend verknüpft Erfahrungen der Pandemie mit aktuellen gesellschaftlichen Diskursen und oszilliert zwischen Verzweiflung und Hoffnung.
Volksbühne Mo 15.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Drei Schwestern“

Olga, Mascha und Irina leben Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit ihrem Bruder in der russischen Provinz. Über allem schwebt die unerfüllte Sehnsucht nach Moskau – jener Chiffre für ein anderes, glücklicheres Leben. Statt Aufbruch erleben die Schwestern Stillstand, verpasste Möglichkeiten und das langsame Zerbrechen ihrer Lebensentwürfe. Mateja Koležnik, die 2023 mit ihrer Bochumer Inszenierung „Kinder der Sonne“ zum Theatertreffen eingeladen war, hat Anton Tschechows Klassiker klug verdichtet und mit großer Intensität auf die Bühne gebracht. Fatalistisch tanzen ihre Figuren gegen Verzweiflung und Erstarrung an – wohl wissend, dass sich letztlich nichts ändern wird. Das große Portrait über Mateja Koležnik lest ihr hier.
Berliner Ensemble Mo 15.6., Di 6.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis“ (Manzini-Studien)
Der Abend beginnt damit, dass die drei Hauptfiguren gerade aus einem zermürbenden Shakespeare-Abend kommen: „Der Sommernachtstraum“ dauerte sechs Stunden – später vielleicht aber auch 24 oder 48. Im Rückblick verändert sich die Wahrnehmung. Oder vielleicht ist auch einfach die Zeit aus den Fugen. Überhaupt stimmt so Einiges nicht mehr. „Alles Leben ist ein Prozess des Niedergangs“, wiederholt Kathrin Angerer wieder und wieder. René Polleschs gefeierte Inszenierung (2018) am Schauspiel Zürich wurde ein halbes Jahr nach seinem Tod ins Repertoire der Volksbühne übernommen.
Volksbühne Di 16.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„De Profundis“
Eigentlich wollte Jens Harzer nie in einem Solo spielen, aber BE-Intendant Oliver Reese konnte das neue Ensemble-Mitglied vom Gegenteil überzeugen. So entstand ein herausragender Abend, der auf einem Brief des irischen Autors Oscar Wilde beruht, den er nach seiner Verurteilung verfasste.
Berliner Ensemble Do 18.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Die Dreigroschenoper“
Barrie Kosky verzichtet in seiner Inszenierung auf eine üppige Ausstattung und jegliche Prekariatspornografie. Somit liegt der Fokus viel deutlicher auf Text, Musik und dem spielfreudigen Ensemble.
Berliner Ensemble Fr 19.6. – Sa 21.6. , 19.30 Uhr, mehr Infos
„Empfänger unbekannt“
Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Briefroman von Kathrine Kressmann Taylor aus dem Jahr 1938. Ein äußerst eindringliches Kammerspiel, das illustriert, wie sich Antisemitismus in der Gesellschaft verfestigt.
Kleines Theater Sa 20.6., So 21.6., 20 Uhrmehr Infos
„Der Schnittchenkauf“

Ende 2011 hatte René Pollesch den gleichnamigen Text zu seiner Theorie des Theaters in einer Berliner Galerie vorgestellt. Der Titel spielt auf das Fragment „Dialoge aus dem Messingkauf“ an. Kathrin Angerer, Franz Beil, Rosa Lembeck, Milan Peschel und Martin Wuttke haben den kurzweilig-intelligenten Abend über die Theaterpraxis gemeinsam auf die Bühne gebracht. Die Regieposition – Polleschs Platz – bleibt dabei vakant. Zum letzten Mal!
Volksbühne So 21.6., 18 Uhr, mehr Infos
„Ein Volksfeind“
Thomas Ostermeier montiert in seiner spritzigen Inszenierung den von Florian Borchmeyer bearbeiteten Dramen-Originaltext mit dem „Der kommenden Aufstand“, verfasst vom „unsichtbaren Komitee“. Zentral dabei ist die Frage, wie viel Wahrheit eine durchökonomisierte Gesellschaft erträgt
Schaubühne Di 23.6., Mi 24.6., 20.30 Uhr, mehr Infos
„Forever Yin Forever Young“
Das Regie-Team Tom Kühnel und Jürgen Kuttner hat das Wirkens des Malers, Schriftstellers und Musikers Funny van Dannen zu einer unterhaltsamen Revue verdichtet.
Deutsches Theater Kammerspiele Mi 24.6., 19.30 Uhr, mehr Infos
„La bohème“
Die nach wie vor beeindruckende Inszenierung feierte noch vor dem Mauerfall, genauer am 25. Dezember 1988, Premiere. Bis heute fasziniert Peter Sykoras Bühnenbild, das vier unterschiedliche, stets hyperrealistische Szenarien entwirft. Jedes von ihnen entführt ins Paris des 19. Jahrhunderts.Im Mittelpunkt der Handlung stehen vier Künstler, die zwischen Armut, Freiheitsdrang und Lebenslust ihren Alltag zu bewältigen versuchen.