Bühnen-Tipps: Die wichtigsten Premieren und Theater-Events im September

„Mephisto“

Frank Castorf inszeniert zum fünften Mal am Berliner Ensemble. Im September ist Premiere von „Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann, die Geschichte über einen gnadenlosen Opportunisten im Kunstbetrieb zur Nazizeit. Unser Interview mit Frank Castorf über „Mephisto“ lest ihr hier.
Berliner Ensemble Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, Do 17.9., 18 Uhr (Premiere), Sa 19.9., 18 Uhr, So 20.9., 17 Uhr, 9-74 €, mehr Infos
20 Jahre Radialsystem

Vom ehemaligen Abwasser-Pumpwerk zum wichtigen Ort der freien Berliner Kulturszene: Zum Jubiläum lädt das Haus vom 9. bis 12. September zu einem transdisziplinären Programm mit Musik, Tanz, Performance, Workshops, Ausstellung und Diskurs. Den Auftakt macht Heiner Goebbels’ „Walden“, außerdem ist Sasha Waltz & Guests’ „In C“ zu erleben. Ein Tag der offenen Tür rundet das Jubiläumswochenende ab.
Radialsystem Holzmarktstr. 33, Friedrichshain, Mi 9. – Sa 12.9., teilweise Eintritt frei/ab 9 €, mehr Infos
„Kintsugi“
Zerbrochenes wird in Japan mit Gold repariert, die Bruchstellen bleiben sichtbar und machen das Stück zu etwas Neuem, manchmal noch Schönerem. Dieses Prinzip steht hinter „Kintsugi“, der neuen Show der kanadischen Zirkuskompanie Machine de Cirque. An einer Bushaltestelle treffen fremde Menschen aufeinander, warten und hoffen gemeinsam. Im Chamäleon wird daraus zeitgenössischer Zirkus über das Weitermachen nach dem Bruch. Unseren ganzen Text lest ihr hier.
Chamäleon in den Hackeschen Höfen Rosenthaler Str. 40/41, Mitte, Fr 4.9. 20 Uhr (Premiere), Sa 5.9. 17 + 20 Uhr, So 6.9. 18 Uhr, Mi 9.9. 20 Uhr, Fr 11.9. 20 Uhr, Sa 12.9. 17 + 20.30 Uhr, So 13.9. 18 Uhr, Di 15.9., Mi 16.9., Do 17.9., Fr 18.9. 20 Uhr, Sa 19.9. 17 + 20.30 Uhr, So 20.9. 18 Uhr, Mi 23.9., Do 24.9., Fr 25.9. 20 Uhr, Sa 26.9. 17+20.30 Uhr, So 27.9. 18 Uhr, Di 29.9., Mi 30.9. 20 Uhr, 41-74 €, Mehr Infos
„Kirill & Friends“
Als Film-, Theater- und Opernregisseur fiel Kirill Serebrennikov in Russland in Ungnade und wurde zu Hausarrest verurteilt. Seit einigen Jahren bildet Berlin seinen Lebensmittelpunkt. Hier inszeniert er unter anderem am Deutschen Theater und an der Komischen Oper. Im Rahmen des Festivals werden jedoch ausschließlich Arbeiten gezeigt, die in Salzburg, Düsseldorf und Hamburg entstanden sind und bisher in Berlin noch nicht zu sehen waren. Das gilt ebenso für das von befreundeten Künstler:innen verantwortete Programm, das von Film über Tanz bis hin zu Physical Theatre reicht.
diverse Orte Fr 4.–So 13.9., 10-95 €, mehr Infos
Das gesamte Maxim Gorki Theater als riesige Spielstätte
Die neue Spielzeit beginnt unter neuer Leitung: Çağla Ilk kuratierte zuletzt den Deutschen Pavillon der Kunstbiennale Venedig 2024 und die Kunsthalle in Baden Baden. Künftig versteht sie das Maxim Gorki Theater weniger als klassisches Sprechtheater denn als interdisziplinären Raum. Der türkisch-armenische Konzeptkünstler Sarkis tritt zur Eröffnung mit einer Installation in einen Dialog mit dem Werk des polnischen Malers, Bühnenbildners und Regisseurs Tadeusz Kantor (1915–1990), der in den 1950er-Jahren eine radikal neue Bildsprache zwischen Happening und autobiografischer Erinnerung entwickelte. So entsteht mit „Fuge“ im Bühnenraum und in den Foyers ein Raum für Performances.
Maxim Gorki Theater Fr 4.9.– So 11.10., 13–21 Uhr, Eintritt frei, mehr Infos
„Lear“

Barrie Kosky bringt Aribert Reimanns „Lear“ in den Tempelhofer Hangar 4 – nach Kupfer und Neuenfels ist es die dritte Inszenierung an der Komischen Oper – mit Scott Hendricks und einem Allstar-Ensemble.
Komische Oper im Flughafen Tempelhof Columbiadamm 10, Tempelhof, Mi 16.9., Fr 18.9., So 20.9., Di. 22.9., Do 24.9., Sa 26.9., Di 29.9., Do 1.10., Sa 3.10., jeweils 19.30 Uhr, Karten 14–110 €
„Songs of Partisan Women“
Die mehrsprachige Erzählperformance von Milda Varnauskaitė, Ariane Pawin und Oksana Ohorodnyk-Zhuravel beleuchtet das Wirken von Frauen, die sich in Frankreich, Litauen und der Ukraine während des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen Besatzung unerschrocken gegen Unterdrückung und militärische Besatzung gewehrt haben. Die Open-Air-Vorstellung führt durch den öffentlichen Raum.
Pforte Danziger Straße Startpunkt: Danziger Str. 103, Prenzlauer Berg, Sa 5.9., 20 Uhr, 5-25 €, mehr Infos
„Blind“

Wie blind können wir für die politischen Meinungen uns eigentlich nahestehender Menschen sein? Die Saison des Kleinen Theaters am Südwestkorso startet mit „Blind“ von Lot Vekemans – ein Kammerspiel über familiäre Entfremdung und politische Gräben. Unseren ganzen Text lest ihr hier.
Kleines Theater Südwestkorso 64 Friedenau, Fr 4.9. (P.), Sa 5.9., Mi 9.9. jeweils 20 Uhr, So 6.9., 18 Uhr, weitere Vorstellungen im Oktober, 15-25 €
„Internet Explorer“
Theresa Reiwers agiert mit ihrer neuen Produktion an der interaktiven Schnittstelle von Theater, Gaming und Medienkunst. Das Publikum bewegt sich in kleinen Gruppen durch die Kulisse eines Internet-Cafés. Sie löschen diskriminierende Memes, treffen ihr Online-Double und agieren in Chaträumen. Gemeinsam mit einer KI versuchen sie sich der Fragestellung zu nähern, inwieweit das Internet neue Teilhabe generiert oder letztlich bestehende Machtverhältnisse manifestiert.
HAU 3 Tempelhofer 10, Kreuzberg, Sa 5.9., 18 Uhr (P),9–15 Uhr, mehr Infos
„Figure it Out“

Was ist ein Loch? Das Puppenspielduo Melanie Florschütz und Michael Döhnert macht daraus eine fast wortlose, poetische Performance: Löcher tauchen in Wänden und Böden auf, wandern als Schatten über die Bühne und verschwinden wieder. Beim Festival „Figure it Out“ trifft das Stück auf weitere inklusive Produktionen aus Europa. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Barrierefreiheit selbst zum künstlerischen Ausdruck werden kann. Unseren ganzen Text zu „Figure it Out“ lest ihr hier.
Schaubude Greifswalder Str. 81-84, Prenzlauer Berg, 10.–13.9., 7–25 €, mehr Infos
„Die Welt im Rücken“
In dem gleichnamigen, autobiografisch geprägten Roman erzählt Thomas Melle von seinem Leben mit einer bipolaren Störung. Schonungslos, klug und bisweilen überraschend humorvoll beschreibt er manische Höhenflüge, depressive Abstürze und den Versuch, die eigene Identität zwischen Krankheit und Wirklichkeit neu zu finden. In der Fassung von Tim Adam (auch Regie, Kostüme, Bühne und Sounddesign) verkörpert Marek Egert den Protagonisten, der sich in einer emotionalen Achterbahnfahrt befindet.
Vagantenbühne Kantstr. 12a, Charlottenburg, Mi 16.9.,20 Uhr (P), 9–24 €, mehr Infos
„Kuyum“
In der westafrikanischen Sprache Kabiyé bedeutet der Name des Festivals so viel wie „Zusammenhalt“. Das ist eines der zentralen Anliegen des Formats, das Arbeiten von Tänzer:innen und Choreograf:innen mit afrikanischen Wurzeln oder entsprechender Einwanderungsgeschichte vorstellt. Im Fokus der drei Uraufführungen und vier Berlin-Premieren steht der sogenannte neo-afrikanische Tanz. Dabei geht es nicht nur um die Weiterentwicklung überlieferter Formen, sondern auch um Themen wie Kolonialgeschichte, Identität, Migration und gesellschaftlichen Wandel. Nach dem Auftaktwochenende im Haus der Kulturen der Welt finden die weiteren Vorstellungen der sechsten Festivalausgabe in den Uferstudios statt.
diverse Orte Festival von Sa 12.–So 20.9., ab 12 €, mehr Infos
„Deutscher Herbst“

Der Begriff „Deutscher Herbst“ erinnert an RAF und 1970er-Jahre. Regisseur Christopher Rüping erweitert ihn nun um weitere historische und persönliche Ebenen: Ausgehend von Stig Dagermans Reportagen über das Deutschland der Nachkriegszeit verbindet seine neue Inszenierung Ängste und gesellschaftliche Orientierungslosigkeit. Im Zentrum steht eine Frau (gespielt von Wiebke Mollenhauer), die von rätselhaftem Schwindel heimgesucht wird und Erinnerungen hat, die gar nicht ihre eigenen sein können. Unseren ganzen Text zu „Deutscher Herbst“ lest ihr hier.
Deutsches Theater Kammerspiele Schumannstr. 13 a, Mitte, Sam 26.9., 19 Uhr (Premiere), So 27.9., 19 Uhr, 38-22 €, mehr Infos
Fischers Favoriten im neuen Programm Chansons
Von Jacques Brel und Georg Kreisler bis zu Thomas Pigor und Sebastian Krämer: Tim Fischer streift in der Uraufführung von „Chansons“ durch die Geschichte des Genres und präsentiert seine ganz persönlichen Favoriten. Thomas Dörschel zeichnet für die musikalische Leitung verantwortlich.