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Unsere Bühnen-Tipps: Die wichtigsten Premieren im Juni

Der Saisonausklang am Maxim Gorki Theater markiert das Ende einer der von Shermin Langhoff geprägten Epoche. Zudem widmen sich Festivals aktuellen Tendenzen in Tanz, Neuer Dramatik und Performance
Text: Ronald Klein
Veröffentlicht am: 27.05.2026
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„3 Schwestern“ von Barbi Marković eröffnet die Autor:innentheatertage. © Arno Declair

30 Jahre cie.toula limnaios

Szene aus „les possédés (2009) der Komapnie cie. toula limnaios. Die Inszenierung ist inspiriert von den Figuren Dostojewskijs.  © cyan

1996 gründen Toula Limnaios und Ralf R. Ollertz ihre Kompanie in Brüssel. Auf Einladung von Dirk Scheper kommen sie nach Berlin – und bleiben. Dreißig Jahre später feiert die cie. toula limnaios Jubiläum in der HALLE, einem hübschen Backsteinbau an der Eberswalder Straße, die sie dem explodierenden Immobilienmarkt abgerungen hat. Das Festival zeigt Arbeiten wie „if i was real“ oder „shifted realities“, letzteres ein „Doppel-Solo“ zweier Körper in permanenter Parallelverschiebung. Früh schrieb die Theaterkritikerin Sandra Luzina, Toula Limnaios bediene sich „strapazierte Tanztheater-Klischees“, doch gerade daraus entstünden „berührende Momente“. Die Kompanie tanzte in 72 Ländern – und blieb doch immer in Berlin verwurzelt. Unseren Text zum Festival der Compagnie lest ihr hier.

HALLE Tanzbühne Berlin, Eberswalder Str. 10, Prenzlauer Berg, Festival 30 Jahre cie. toula limnaios 3.6.–25.7., 25/12 €, mehr Infos


„Carnivale Royale“

Der gelernte Handstandartist Nick van der Heyden und der Trapezkünstler und Clown Germain Iconnee bringen mit ihrer Compagnie House of Circus die Sommerspielzeit ins Chamäleon. In „Carnivale Royale“ verbinden sie Handstandakrobatik, Clownerie und Drag zu einer auf dem Kontinent seltenen Mischung. Van der Heyden entwickelte die Idee auf Ibiza, wo er als Dragfigur auftrat und merkte: „Alles ist möglich. Ich kann mich ausdrücken, wie es zu mir passt.“ Aus der anfänglichen Experimentierlust entstand eine Show, in der sich die Performer auf der Bühne verwandeln – vom Akrobaten zur Drag Queen und zurück. Unseren Text zum Drag-Zirkus im Chamäleon findet ihr hier.

Chamäleon Hackesche Höfe, Rosenthaler Str. 40/ 41, Mitte, 4.6.–2.8., 24–46 €, mehr Infos


„Polaris“

Die Antarktis ist ein Hauptdarsteller in „Polaris“ am Deutschen Theater.

„Nervenzusammenbruch in der Antarktis – russischer Forscher sticht Kollegen nieder“ titelte der Focus im Oktober 2018. Aus diesem realen Fall entwickelt Regisseur Jan-Christoph Gockel seine Mockumentary „Polaris“ am Deutsches Theater Berlin. Dafür reisten die Schauspieler:innen Julia Gräfner und Wolfram Koch auf die Forschungsstation Neumayer III in die Antarktis. Dort erlebten sie Enge, Isolation und eine Landschaft, in der Menschen „eigentlich nichts verloren“ haben, wie Koch im Interview sagt. Aus ihren Eindrücken ist nun ein Theaterabend zwischen Dokumentation und Fiktion entstanden– mit Eisbergen, Pinguinen und der Frage, was Einsamkeit mit Menschen macht. Das ganze Interview mit Gräfner und Koch über ihre Erfahrungen im Eis lest ihr hier.

Deutsches Theater Kammerspiele Schumann­str. 13 a, Mitte, Fr 5.6., 19.30 Uhr (Premiere), Sa 6.6., 20 Uhr, So 7.6., 19.30 Uhr, So 21.6., Fr 26.6., Sa 27.6., jew. 19.30 Uhr, Tel. 28 44 12 25, Karten 38–22 €, mehr Infos


„A Song for Esther“

Esther Bejarano wurde 1924 in Saarlouis geboren und überlebte das Konzentrationslager Auschwitz. Dort musste sie im sogenannten „Mädchenorchester von Auschwitz“ Akkordeon spielen – was ihr vermutlich das Leben rettete. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Nach dem Krieg lebte sie zunächst in Israel und später wieder in Deutschland. Viele Jahre arbeitete sie mit jungen Musiker:innen und Rap-Formationen wie Microphone Mafia im Kampf gegen Antisemitismus zusammen. Auf Einladung der Künstlerin Candice Breitz würdigt ein Ensemble, bestehend unter anderem aus Lie Ning, Peaches und natürlich der Microphone Mafia, die 2021 verstorbene Aktivistin.

HAU 1 Stresemannstr. 29, Kreuzberg, Sa 6.+So 7.6., 19.30 Uhr, 9–29 €, mehr Infos


„Autor:-innentheatertage“

Traditionell präsentiert das Festival zum Ende der Spielzeit kürzlich uraufgeführte Stücke aus zehn deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten. Neben großen Häusern wie den Münchner Kammerspielen oder dem Schauspielhaus Zürich sind auch kleinere Bühnen vertreten. Die Autor:innentheatertage zeigen dabei immer wieder, dass relevante zeitgenössische Dramatik längst nicht nur in den Metropolen entsteht. Herzstück und Abschluss des Festivals ist die Lange Nacht der Autor:innen, bei der neue Texte präsentiert werden, die über ein Jahr hinweg in den Ateliers am Deutschen Theater entwickelt wurden.

Deutsches Theater Schumannstr. 13a. Mitte, Festival von Sa. 6.– Sa 20.6., 26–46 €, mehr Infos


„Soundance Festival“

Seit 2017 bewegt sich das Festival an der Schnittstelle von Tanz, Performance und experimenteller Musik. Im Zentrum stehen Arbeiten, die Bewegung und Klang gleichberechtigt zusammendenken und neue Formen des Zusammenspiels von Körper, Raum und Sound erproben. Für die Jubiläumsausgabe wurden vier Produktionen eingeladen, die sich unter anderem mit Vergänglichkeit und Aufbegehren auseinandersetzen oder aus den sensorischen Erfahrungen des Publikums heraus entstehen.

Dock 11 Kastanienallee 78, Prenzlauer Berg, Festival von Do 11. bis So 14.6., 12–17 €, mehr Infos


„Never Work“

Szene aus dem Stück „Olympia Bukkakis: Queer and Present Dangers/The Nation at Work“, das auf dem „Never Work“-Festival zu sehen sein wird.
 © Claudia Calderano

Erstmalig findet mit „Never Work“ ein internationales Festival statt, in dessen Zentrum Arbeiten stehen, die sich mit den Bedingungen von Arbeit im Gegenwartskapitalismus auseinandersetzen. Der Titel spielt auf den Situationisten-Slogan „Ne travaillez jamais“ („Arbeitet niemals“) von Guy Debord an. Zwei Wochen lang werden Themen wie Burn-out, Gig-Economy und Prekarisierung bis zur Frage nach einem möglichen „Post-Work“-Zeitalter thematisiert.

Sophiensaele Sophienstr. 18, Mitte, Festival von Fr 12.–Sa 27.6., 10–20 €, mehr Infos


„Songs from the Last Years“

Es gibt Schlagworte wie „Theater als Diskursraum“ oder „Ort der Verständigung“. Oft bleiben sie bloße Phrasen. Anders am Maxim Gorki Theater, das Shermin Langhoff 2013 als Intendantin übernahm. Schnell war das Haus mehr als nur „postmigrantisches Theater“: Auch Themen wie Intergenerationalität oder Ost-West-Erfahrungen rückten in den Fokus. Eine gemeinsame Sprache fand sich dabei immer wieder in der Musik, die Produktionen wie „In My Room“ oder „Das rote Haus“ prägte. Zum Abschied von Langhoff und dem Ensemble erklingen nun noch einmal musikalische Highlights. Mit einer Party und einem Fest am 14. Juni (ab 17 Uhr) geht eine Ära zu Ende.

Maxim Gorki Theater Am Festungsgraben 2, Mitte, Fr 12.+Sa 13.6., 20 Uhr, 33 €, mehr Infos


„Komödie der Irrungen“

Schauspieler:innen der Shakespeare Company Berlin bei den Proben zu „Komödie der Irrungen“.

Zwischen Bäumen, Vogelgezwitscher und Abendsonne wird die Freilichtbühne am Insulaner auch in diesem Sommer zur Heimspielstätte der Shakespeare Company Berlin. Zur Eröffnung der Sommerspielzeit zeigt sie William Shakespeares „Komödie der Irrungen“, inszeniert von Christian Schramm. Die erste große Komödie des Autors erzählt von zwei eineiigen Zwillingspaaren, die bei der Geburt getrennt werden und Jahre später in derselben Stadt eine Kettenreaktion aus Missverständnissen und Verwechslungen auslösen. Schulden werden eingefordert, Liebesgeständnisse landen bei der falschen Person und aus kleineren Irritationen entwickelt sich langsam eine kollektive Krise.

Theater am Insulaner Munsterdamm 80, Schöneberg, Fr 12.6. (Premiere), Sa 13.6., Do 18.–Sa 20.6.+Di 30.6., jeweils 20 Uhr, weitere Vorstellungen im Juli, 17–35€, mehr Infos


„Weißt du schon, wie schön es wird?“

„Weißt du schon, wie schön es wird?“ – diese Frage stellt sich Siggi Leupold kurz vor seinem 50. Geburtstag an der Ecke Danziger Straße/Schönhauser Allee. Er ist die zentrale Figur im neuen Stück des Inklusionstheaters RambaZamba, das von Milan Peschel geschrieben wurde. Siggi weiß es nicht – „würde es jedoch sehr gerne wissen“: Daraus entwickelt sich ein Abend über die Suche nach einer guten Zeit und die Frage, wie man lebt, ohne nur zu funktionieren. Das Ensemble aus Spieler:innen mit und ohne Behinderung erzählt davon mit Witz, Tiefgang, Musik und Gesang (von Acht Eimer Hühnerherzen). Aus Banküberfall, Tunnelplänen unter der Eberswalder Straße und der Idee eines Musicals entsteht ein Spiel zwischen Komik und existenziellen Fragen.

RambaZamba Theater Schönhauser Allee 36-39, Prenzlauer Berg, Mi 13.6., 19.30 Uhr (Premiere), Do 14.6., 17 Uhr, So 17.6., Di 19.6., Mi 20.6., jew. 19.30 Uhr, 27/14 €, weitere Termine im Juli, mehr Infos


Juni 2026 in Berlin

Musik: Die wichtigsten Konzerte im Juni in Berlin
Chance nutzen: Repertoirestücke, Wiederaufnahmen, Theaterklassiker im Juni
Film: Neu im Kino – Filmstarts im Juni 2026
Läuft noch: Diese Filme sind im Juni weiterhin sehenswert
Familie: Monatsvorschau mit Familien-Tipps im Juni
Kunst: Die wichtigsten Ausstellungen, die im Juni in Berlin neu eröffnen
Stadtleben: Die Vorschau für den Juni
Literatur: Lesungen und Buch-Events im Juni 2026 in Berlin
Sparen: Gratis im Juni 2026
Juni-Titelgeschichte: Wilmersdorf – Wo alles geht


Mehr Bühne

Alles Wichtige findet ihr in unserer Bühnen-Rubrik. Und natürlich im täglichen Programm für die Berliner Bühnen mit allen wichtigen Theateraufführungen und mehr. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Immer auf dem Laufenden bleiben:Zur tipBerlin-Newsletter-Anmeldung geht’s hier.

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