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30 Jahre cie.toula limnaios: Die Compagnie feiert mit einem Festival

Die cie. toula limnaios, vor 30 Jahren von Toula Limnaios und Ralf R. Ollertz gegründet, ist eine feste Größe in der Berliner Tanzszene. Zum Jubiläum beschenkt die Compagnie uns und sich mit einem großen Tanzfestival
Text: Arnd Wesemann
Veröffentlicht am: 29.05.2026
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Szene aus „les possédés (2009) der cie. toula limnaios. Die Inszenierung ist inspiriert von den Figuren Dostojewskijs.  © cyan

Der Geburtsort der Kompanie: Brüssel. Dort sah Dirk Scheper von der Akademie der Künste am Hanseatenweg die 1996 gegründete cie. toula limnaios. Er lud die beiden ein nach Berlin, zwei Absolvierende der Folkwangschule in Essen, die Choreografin Toula Limnaios, damals Mitglied des Folkwang Tanzstudios, und den Komponisten Ralf R. Ollertz. Sie kamen. Und sie blieben.

Dreißig Jahre später:

Die cie. toula limnaios feiert Jubiläum. Ihre HALLE – ein hübscher Backsteinbau an der Eberswalder Straße, eine ehemalige Sporthalle – dient seit 2003 als Theater, das die beiden sich hart erkämpft haben gegen den explodierenden Immobilienmarkt. Erst nach Intervention durch die Stiftung Edith Maryon verkündete die Stadt vor gut zwölf Jahren, dass die Zukunft ihrer Tanzbühne gesichert sei.

Das Jubiläumsfestival vom 3. Juni bis zum 25. Juli zeigt Stücke, die ein Koordinatensystem dieser Kompanie bilden. „le temps d‘après“ – die Zeit danach – war 1997 eine der ersten ihrer Arbeiten in Berlin. Da gab es die HALLE noch nicht. Noch gastierte die Kompanie im Theater am Halleschen Ufer. Aber dieser Ruf, Tanz für alle und nicht für eine Blase von Tanzintellektuellen zu machen, hat sie immer begleitet. Und sie nie aufgehalten. Früh schrieb die Kollegin Sandra Luzina, Toula Limnaios bediene sich „strapazierter Tanztheater-Klischees“, um sofort hinzuzufügen, dass ihr genau dabei „berührende Momente“ gelängen. Das Schöne an solchen Urteilen: Sie beschreiben exakt das Risiko, das Toula Limnaios eingeht. Wer nie den falschen Ton trifft, spielt keine Musik. Das Gegenstück hieß „isson“ (2003), ein Duett zweier Männer, die in der Synchronizität ihres Tanzes restlos miteinander verschmelzen.

Die HALLE, Tanzbühne der cie. toula limnaios, ist ein kultureller Treffpunkt für Prenzlauer Berg und ganz Berlin. © cyan

Auch „if i was real“, wie alle Stücke in bescheidenen Kleinbuchstaben dekliniert, wird nun wieder zu sehen sein, uraufgeführt 2013, inspiriert von Camus‘ frühem Essay „L’Envers et l’Endroit“. Acht Tanzende in einem dreifach geteilten Bühnenraum arbeiten sich ab an den Schatten aus Angst und dem Licht, das die Schönheit feiert. Eine Choreografie der Illusionen, ohne sich je auf Bedeutungen festzulegen, außer einer: Es gibt keine Liebe zum Leben ohne eine Verzweiflung am Leben, etwa, wenn Ralf R. Ollertz’ Soundtrack das brachiale Rattern eines Steinbohrers mit leise flirrenden Tönen untergräbt. Sein Tun ist keine bloße Musik-Begleitung. Ollertz ist auch kein Mann im Hintergrund. Er ist der hochgewachsene Pol und Widerpart zur zierlichen Toula Limnaios.

Zum Jubiläum öffnet sich die HALLE, die Tanzbühne der cie. toula limnaios, für Gäste

Ebenfalls dabei: Hironori Sugata. Seit 2005 ist er im Ensemble, war eine Instanz schon bei „shifted realities“ (2019), dem Doppel-Solo jetzt zur Jubiläumseröffnung, das Limnaios mit ihm gemeinsam entwickelte. Zwei Körper, jeder in seinem eigenen Raum, tanzen nicht synchron, nicht isoliert, sondern sich gegenseitig beeinflussend – eine permanente Parallelverschiebung. Sugata ist das Urgestein, ein Körper, der die Geschichte der cie. toula limnaios in sich trägt, weil er sie mitgeprägt hat.

Die Kompanie ist das einzige freie Berliner Tanzensemble, das den professionell Tanzenden eine Festanstellung bietet. Achtzehn Mitarbeitende: Was anderswo als Luxus gilt, ist hier Grundbedingung für Wiederaufnahmen, Repertoire und Tiefe. „les possédés“ (2009) – die Besessenen – sind von Dämonen in Innenräumen gefangene Figuren aus angespannter Furcht zu den energetischen Beats von Ralf Ollertz. Solche Beats werden auch auf den beiden Konzerten während des Jubiläums zu hören sein. Zum Jubiläum öffnet sich die HALLE zudem für Gäste. Die Compagnia Zappalà Danza aus Sizilien ist Teil von „eutopia“, eines europäischen Tanzensemble-Netzwerks, das die cie. toula limnaios als Antwort auf eine Kulturpolitik gründete, die freie Ensembles europaweit bedroht. Eutopia ist eine solidarische Struktur aus gegenseitigem Austausch und Gastspielen. Roberto Zappalàs Kompanie gastiert dazu mit „Cultus“.

Dreißig Jahre, sechzig bis siebzig Vorstellungen im Jahr, mehr als fünfzig abendfüllende Stücke. Dazu Filme von arte, von Bernd Sahling, von Giacomo Corvaia in einem Haus, das sie tapfer gehalten haben, gerade, als es die Berliner Liegenschaftsfonds 2013 verkaufen wollte. Nun wird es sogar vergrößert. Eine riesige Probenhalle mit Gästewohnungen und Büros ist in Bau, hinter der HALLE, für diese Kompanie, die in Brüssel begann, in Berlin blieb und von dort aus in 72 Länder reiste. auch nach Griechenland, wo Toula Limnaios 1963 geboren wurde, ein Jahr früher als ihr deutscher Ehemann. Ich frage: Wollt Ihr noch einmal dreißig Jahre tanzen? Oder wenigstens zehn? Die Antwort ist typisch für die cie. toula limnaios: „Es gibt immer die Möglichkeit, dass etwas im Raum entsteht – und dass dieses Risiko, manchmal zu viel zu wollen, der Preis ist für alles, was gelingt.“

HALLE Tanzbühne Berlin, Eberswalder Str. 10, Prenzlauer Berg, Festival 30 Jahre cie. toula limnaios 3.6.–25.7., 25/12 €, mehr Infos


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