Die Macht von Bildern und Begierden

Queerer Klassiker Heiki Riipinen kennt sich gut mit Bildern aus. Im Berliner Ensemble inszeniert der Regie-Shootingstar aus dem fernen Norwegen nun Oscar Wildes queeren Kultroman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Darin geht es um die Statue eines wunderschönen jungen Mannes, in die der Schöpfer der Statue derart viel von seinen eigenen Gefühlen für das Modell eingebracht, dass sie voller Leben scheint. „Das Bild ist oft früher im Raum als man selbst“, konstatiert Riipinen. Das gilt für die Gray-Figur im Roman wie auch für das visuelle Haupt- und Nebenleben vieler Menschen heutzutage in den digitalen Medien. Und auch Riipinens Bild selbst war schon da, bevor er – ganz klassisch nordisch gekleidet übrigens in Strickpullover im Norwegermuster und Stiefeln aus Robbenfell – die Kantine des Berliner Ensembles betrat. Beim Warten auf den echten Menschen förderte die Bildersuche auf dem Handy einen ganz in weiß gekleideten Riipinen zutage, der mit einem langen weißen Rock um die nackten Beine drapiert auf der …