Four Walls and a Roof

Es gibt Momente im Künstlerdasein, die sich fast wie Theaterstücke selbst lesen. Dazu gehört eine Situation im Leben von Bertolt Brecht: 1933 floh der deutsche Dramatiker vor dem Nazi-Regime in die USA, wo man seinen kommunistischen Überzeugungen zunehmend argwöhnisch gegenüberstand. 1947 rief ihn das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ zu einem Verhör, bei dem der Exilant beschuldigt wurde, Mitglied der kommunistischen Partei zu sein. Brecht wäre nicht Brecht, wenn er diese existenzielle Situation nicht künstlerisch verarbeitet hätte: Mit holprigem Pidginenglisch und ironischer Polemik verwandelte er das Verhör in eine Live-Performance.
Die Anhörung hat auch fast 80 Jahre später nichts an Faszination eingebüßt – für das libanesische Künstler:innenduo Lina Majdalanie und Rabih Mroué war sie die rettende Inspiration. Das Paar befand sich zu Beginn der 2020er-Jahre in einer kreativen Dürrephase; das Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 und der darauffolgende Gazakrieg setzten den beiden Künstler:innen psychisch stark zu. Ein neues Stück schien zunächst außer Reichweite. Dann stießen Majdalanie und Mroué auf die Exilerfahrungen Brechts und stürzten sich in Aufzeichnungen, um nachzufühlen, wie er in Deutschland und den USA lebte. Es erinnerte sie daran, wie viele Künstler und Intellektuelle ihre Heimat verlassen hatten und in die westliche Welt migriert waren, um Meinungsfreiheit und Vielfalt zu finden – nur um erneut in ihren Meinungen zensiert zu werden, erzählte das Duo 2024 in einem Interview der „New York Times“.
„Four Walls and a Roof“ ist in Brechtscher Tradition dokumentarisches Theater
Zwar haben Majdalanie und Mroué, die mittlerweile in Berlin leben, im Gegensatz zu Brecht keine Repressionen in ihrem Exilland erfahren, Zensur mussten sie aber in ihrem Heimatland Libanon erleben. Die beiden studierten an der libanesischen Universität in Beirut, wurden ein Paar und arbeiteten zusammen in der dortigen Untergrundszene. Immer wieder mussten sie Wege finden, die Zensur des Staates zu umgehen, denn bereits in den 1990er-Jahren war es verpflichtend für Künstler, ihre Stücke vom Innenministerium absegnen zu lassen. Ab 1997 hörten sie auf, ihre Stücke einzusenden. Dafür mussten sie bittere Einbußen in Kauf nehmen, etwa auf Öffentlichkeitsarbeit zu verzichten, keinen Eintritt zu verlangen und das Risiko, erwischt zu werden, in Kauf zu nehmen. Letzteres geschah bei ihrer 2005 aufgeführten Show „Who’s Afraid of Representation?“, als ein Besucher die geheime Aktion den Behörden meldete, sodass das Künstlerpaar die Show erheblich kürzen musste.
„Four Walls and a Roof“ ist in Brechtscher T…