Theater in Berlin: Unsere Tipps für den Juli

„Blinded by Delight – Grand Show“

Im Zentrum steht die Protagonistin Luci, die zu Beginn in einer Traumwelt erwacht und im Laufe des Abends erkennt, wie wichtig es ist, Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Traumhaft sind auch die rund 500 farbenprächtigen Kostüme des US-Star-Designers Jeremy Scott, die zwischen Pop-Art und Haute Couture changieren. Wenngleich die Songs nicht immer zünden, die Artistik reißt es wieder raus.
Friedrichstadt-Palast Friedrichsstraße 107, Mitte, Do 2.7., Fr 3.6., jeweils 19.30 Uhr, Sa 4.7., 15:30 Uhr, weitere Termine bis zum 11.7., mehr Infos
„Konferenz der Tiere“
Seit Jahren ist das Luftschloss Tempelhofer Feld eine feste Größe innerhalb der Open-Air-Kultur – läuft oder fährt man abends über die ehemaligen Landebahnen an der Arena vorbei, zieht die Atmosphäre einen dort regelrecht in den Bann. Eines der Highlights diesen Sommers ist die Inszenierung „Konferenz der Tiere“ nach Erich Kästner. In dem Klassiker rufen der Löwe Alois, der Elefant Oskar und die Giraffe Leopold eine Tierkonferenz ein, um über die Probleme der Menschheit wie Kriege und den Klimawandel zu diskutieren und Lösungswege zu finden. Weitere Stücke, die das Luftschloss Tempelhofer Feld auf die Bühne bringt, sind unter anderem „Robin Hood“, „eine Woche voller Samstage“ sowie „Rotkäppchen und der Wolf im Nachthemd“.
Luftschloss Tempelhofer Feld Tempelhof, Do 2.7 + Fr 3.7., jeweils 16.30 Uhr, Sa 4.7., 15 Uhr, mehr Infos
„Was ihr wollt“
Nunmehr startet auch das Globe Berlin in seine achte Open-Air-Spielzeit, die unter dem Motto „Flucht und Frieden“ steht. Gespielt wird weiterhin auf der provisorischen Bühne, da die Baugenehmigung für den geplanten Globe-Nachbau noch immer aussteht. Die Eröffnung findet am 4. Juli mit Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ in der Regie von Ben Crystal statt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Viola, die ein Schiffsunglück vor der Küste Illyriens nur knapp überlebt, aber ihren Bruder Sebastian für tot. Als Mann verkleidet, tritt sie unter dem Namen Cesario in die Dienste des Herzogs Orsino — und löst ein turbulentes Verwirrspiel aus, als sich die trauernde Gräfin Olivia ausgerechnet in sie verliebt. Als Sebastian plötzlich wieder auftaucht, ist das Chaos komplett. Auf dem Spielplan stehen weitere Klassiker des Dramatikers, darunter „Hamlet“ und „Romeo & Julia“.
Globe Berlin Sömmeringstr. 15, Charlottenburg, Spielzeit von Sa 4.7. bis Sa 5.9., 10,50–26 €, mehr Infos
„De Profundis“
Eigentlich wollte Jens Harzer nie in einem Solo spielen, aber BE-Intendant Oliver Reese konnte das neue Ensemble-Mitglied vom Gegenteil überzeugen. So entstand ein herausragender Abend, der auf einem Brief des irischen Autors Oscar Wilde beruht, den er nach seiner Verurteilung verfasste.
Berliner Ensemble Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, Fr 3.7., 19.30 Uhr, mehr Infos
„Drei Schwestern“

Olga, Mascha und Irina leben Ende des 19. Jahrhunderts gemeinsam mit ihrem Bruder in der russischen Provinz. Über allem schwebt die unerfüllte Sehnsucht nach Moskau – jener Chiffre für ein anderes, glücklicheres Leben. Statt Aufbruch erleben die Schwestern Stillstand, verpasste Möglichkeiten und das langsame Zerbrechen ihrer Lebensentwürfe. Mateja Koležnik, die 2023 mit ihrer Bochumer Inszenierung „Kinder der Sonne“ zum Theatertreffen eingeladen war, hat Anton Tschechows Klassiker klug verdichtet und mit großer Intensität auf die Bühne gebracht. Fatalistisch tanzen ihre Figuren gegen Verzweiflung und Erstarrung an – wohl wissend, dass sich letztlich nichts ändern wird. Das große Portrait über Mateja Koležnik lest ihr hier.
Berliner Ensemble Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte, Sa 4.7., So 5.6., jeweils 19.30 Uhr, mehr Infos
„Im Café Europa“
Ach, das waren noch Zeiten, als im Café Europa internationale Gäste ein und aus gingen. Doch seit Bernd die Gastronomie übernommen hat, ist vieles anders: Zunächst wurde aus dem Café Europa das Deutsche Haus, dann änderte sich auch die Ausrichtung. Bernd versteht sich als deutschnational und prägt das Haus entsprechend. Widerstand leisten jedoch die Kellnerin und der Mann am Klavier – mit Texten von Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Erika Mann, Friedrich Hollaender und Mascha Kaléko. Die Inszenierung von Axel Weidemann wurde Anfang Juni mit dem Publikumspreis „Aufführung des Jahres 2025“ der TheaterGemeinde Berlin ausgezeichnet.
Kleines Theater Südwestkorso 64, Friedenau, Fr 10.+Sa 11.7., 20 Uhr, 15–25 €, mehr Infos
„Hot Shot“
Wer wird sich im Jahresfinale durchsetzen? Die Fachjury, der unter anderem Quatsch-Comedy-Club-Gründer und Intendant Thomas Hermanns angehört, bewies in der Vergangenheit regelmäßig ein gutes Gespür für neue Talente. Bereits bei der Premiere im Jahr 2005 gewann Ilka Bessin, damals noch als Cindy aus Marzahn. Auch Felix Lobrecht, Tutty Tran und Lisa Feller sammelten beim „Hot Shot“ erste größere Bühnenerfahrungen und rückten dort erstmals ins Rampenlicht.
Quatsch Comedy Club Friedrichstr. 107, Mitte, So 12.7., 19-22 €, mehr Infos
„Die drei Musketiere“

Mit dem Bau des Neuen Palais im Park Sanssouci ließ Friedrich der Große das Heckentheater errichten: Kultur und Natur gehörten für den Monarchen zusammen. Das Theater Poetenpack bespielt das historische Ambiente im Sommer mit verschiedenen Stücken, darunter mit Alexandre Dumas „Die drei Musketiere“. Die Abenteuergeschichte soll, so verspricht es das Theaterkkollektiv, „natürlich nicht ohne ironische Distanz“ inszeniert werden. Außerdem im Juli zu sehen: „Der Kirschgarten“ nach Anton Tschechow.
Heckentheater am Neuen Palais Im Park Sanssouci, Potsdam, So 12.7., 17 Uhr, mehr Infos
„Shakesperiment“
In der Sommerspielzeit zeichnete Brian Bell für die Eröffnungsinszenierung „Was ihr wollt“ im Monbijou-Theater verantwortlich. Der US-amerikanische Regisseur gilt als ausgewiesener Shakespeare-Experte. Sein Format „Shakesperiment“ feiert in diesem Jahr das zehnte Jubiläum. Die Grundidee lautet: maximales Risiko bei minimaler Vorbereitung. Statt auf ausgefeilte Bühnenbilder, lange Probenprozesse oder technische Effekte setzt das Format auf Spontaneität. Das Ensemble erhält lediglich eine einzige gemeinsame Probe, bevor das Stück dem Publikum vorgestellt wird. Die Aufführungen sollen roh, direkt und unvorhersehbar bleiben. Häufig werden auch Zuschauer:innen aktiv einbezogen – ganz im Geist des elisabethanischen Theaters, in dem die Grenze zwischen Bühne und Publikum deutlich durchlässiger war als heute.
Monbijou-Theater Monbijoustraße 3b, Mitte, 13.7., 20.30 Uhr, mehr Infos
„Bazm“
Der iranische Choreograf Armin Hokmi geht von einer ungewöhnlichen Frage aus: Wie lässt sich ein Tanzrepertoire denken, das gar nicht auf überlieferten Traditionen beruht, sondern vollständig neu erfunden wird? Gemeinsam mit einem internationalen Ensemble entwickelt er eine vielschichtige Bewegungssprache, die zwischen präziser Form und impulsiver Körperlichkeit Vertrautes und Fremdes gleichermaßen hinterfragt.
Radialsystem Holzmarktstr. 33, Friedrichshain, Do 23.–So 26.7., 20 Uhr, 18-24 €, mehr Infos
Juli 2026 in Berlin
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