Eine endlose Romanze: Conchita Wurst im Tipi am Kanzleramt

In seiner Reihe „Willkommen Österreich“ präsentiert das Tipi diesmal ein ganz besonderes Highlight – mit dem Glanz eines Sieges beim Eurovision Song Contest! Natürlich handelt es sich um Tom Neuwirth alias Conchita Wurst, der 2014 mit „Rise Like a Phoenix“ in Kopenhagen den ESC gewann. Aber er ist nicht allein unterwegs, sondern mit seinem besten Freund Martin Zerza. Die beiden kennen einander, seit sie sich als Teenager bei einer Casting-Show beworben haben. Zusammen haben sie das Duo „Frau Thomas & Herr Martin“ entwickelt, das mit der dreiköpfigen Band „Die Pralinen“ jetzt das Programm „Ruck ma z’samm“ präsentiert.
Mit ihrer fröhlichen „Selbstüberschätzung“ (O-Ton) versprechen sie einen bunten Varietéabend, in dem sich Wienerlied und Jazz, Chanson, Swing und Schlager versöhnen. Wer gibt den Ton an?
„Würde Martin nicht mit seiner Professionalität und seinem Know-how hinter diesem Projekt stehen, gäbe es das gar nicht“, lobt Tom Neuwirth: „Und weil wir uns dermaßen gut kennen, findet er immer die entscheidenden Punkte, um mich zu motivieren.“ Martin Zerza ergänzt: „Tom hatte so einen Riesenerfolg als Conchita Wurst und ist so bekannt – welche Ehre für mich, mit ihm arbeiten zu dürfen! Gleichzeitig kennen wir uns schon ewig und er hat sich menschlich gar nicht verändert. Deshalb können wir auf Augenhöhe miteinander musizieren.“
In „Ruck ma z’samm“ spielt Zerza den Herrn Martin, die treibende Kraft, und Neuwirth spielt Frau Thomas, die es eher gemütlich mag. Gemeinsam gehen sie durchs Leben und meistern etwaige Beziehungskrisen. Die werden, wie sich bei den Auftritten herausgestellt hat, von den Zuschauer:innen sofort verstanden – egal, welche sexuelle Präferenz sie haben. Neuwirth und Zerza werden ein paar Coverversionen singen, aber der Großteil besteht aus eigenen Songs. „Martin ist unser Chef, der Bandleader und Arrangeur, einfach die Musikkapellmeisterin! Doch die Texte und Melodien haben wir zusammen geschrieben“, sagt Neuwirth. Das Gerüst der Konzerte ist fixiert, während es zwischen den Liedern wechselnde Conférences gibt, die Zerza so umreißt: „Das sind im Wesentlichen Alltagsgeschichten, wie ein Guckfenster in die Welt, in der wir uns bewegen.“
„Berlin und Wien, das ist eine endlose Romanze, und das soll unbedingt so bleiben“, sagt Zerza
Ähnlich sieht es auch sein Freund: „Wenn man mit einer Band unterwegs ist, passiert ja dies und das und viel Lustiges. Das teilen wir dann gern mit. Wir nehmen uns halt prinzipiell nicht recht ernst. Nur die Musik und das Handwerk, die nehmen wir sehr ernst.“ Je nach Land und Ort beinhaltet die Show außerdem „ein musikalisches Schmankerl extra“, wie Neuwirth andeutet, der freilich nichts Genaues verraten will: „Wenn wir im Dezember im Wiener Konzerthaus gastieren, wird das etwas ganz anderes sein als im Tipi – wie ein kleiner Gruß aus der Küche!“
So eine enge Freundschaft, so eine enge Zusammenarbeit – sind die beiden auch privat ein Paar? „Nein“, rufen sie fast verschreckt: „Wir sind Schwestern.“ Geschickt und vergnügt jonglieren sie mit normativen Rollenmustern und sexuellen Stereotypen und bringen diese musikalisch, klug und humorvoll in Schwung. Dennoch kann sich bei aller Liebe zu Österreich niemand auf den typisch österreichischen Standpunkt zurückziehen, dass man irgendetwas „immer so gemacht“ habe. Doch egal wie amüsant die Programme sind, wird trotzdem nie vergessen, dass es in der Welt insgesamt nicht gerade zum Besten bestellt ist.
„Selten war Eskapismus nötiger als heute“, meint Tom Neuwirth und betont damit die Freude an beherzten Fluchten aus dem Alltag. Vielleicht ist es ein Tanz auf dem Vulkan, was die zwei da zeigen und wofür sie geliebt werden. Vielleicht aber auch nicht, schließlich heißt ihr Abend „Ruck ma z’samm“: „Ja, denn wir sollten lieber gut gelaunt zusammenrücken und uns auf das konzentrieren, was uns verbindet, anstatt uns grantig auseinander dividieren zu lassen“, wünscht sich Neuwirth. Also kein Zusammenrücken wie beim Schunkeln auf dem Oktoberfest? „Sicher nicht“, erklärt Zerza: „Bei uns ist das eine Jazzballade, das ist uns lieber. Berlin und Wien, das ist eine endlose Romanze, und das soll unbedingt so bleiben.“
Tipi am Kanzleramt Große Querallee, Tiergarten, Do 28.5., 20 Uhr, Karten 22,90–52,90 €, mehr Infos
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