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„Burger Collection“ in der Zimmerstraße 90/91

BurgerCollectionMenschen mit einem Tick ziehen in den Bann. Sie folgen nicht den Gesetzen der Alltagsökonomie. Wenn uns der in Berlin lebende Julian Rosefeldt in seiner Filminstallation „Der Perfektionist“ (2005) einen Menschen ans Herz legt, der mit besorgniserregender Akribie einen Fallschirmsprung simuliert, so trieb den Künstler vielleicht genau jene Faszination an, die nun auf den Betrachter überspringt. Kaum jemand verlässt den Raum während der immerhin 25-minütigen Vorführung. Gezeigt wird die Dreikanal-Filminstallation im Rahmen einer vierteiligen Ausstellungsreihe, die unter dem Titel „Conflicting Tales: Subjektivität in Berlin“ startet und danach in Hongkong, Mumbai und Brüssel – jeweils neu kuratiert – fortgesetzt wird. Inszeniert hat die „Widerstreitenden Geschichten“ der Schweizer Kurator Daniel Kurjakovic in Zusam­menarbeit mit Monique Burger, die damit zum ersten Mal stichprobenartige Einblicke gewährt in ihre rund 1000 Werke umfassende Sammlung europäisch-amerikanischer und asiatischer Künstler. Gezeigt werden knapp 80 Arbeiten von 35 Künstlern. Über den Weg von Rosefeldts Perfektionis­ten in ihre Sammlung sagt sie: „Mich hat an dem Film begeistert, dass der Protagonist nie aufgibt und keine Angst vor dem Scheitern hat. Gewissermaßen glaubt diese Arbeit an den Außenseiter in uns allen.“ Durch die Sammlung fließt Herzblut, das wird spürbar, wenn Monique Burger über Kunst und Künstler spricht.
Aus ihrer Begeisterung für Berlin macht die geborene Schweizerin Monique Burger kein Geheimnis. „Die Schweizer zieht es nach Berlin – schon immer“, erzählt sie und schickt erklärend den Vergleich mit der Hongkonger Kunstszene nach: Beide seien zu eng. 2005 siedelte sie mit ihrer Familie in die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong um, was sich deutlich auf die seitdem angekauften Arbeiten niederschlägt. Fast 50 chinesische Künstler sind dazugekommen. Reisen nach Indien haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Ein Höhepunkt der „Conflicting Tales“ ist der im letzten Jahr entstandene 42-teilige Werkzyklus „Listening to the Shades“ von Nalini Malani. Auf einer königsblauen Wand und im Zu­sam­menspiel mit den eindeutig politisch konnotierten Vasen­ma­lereien des Engländers Grayson Perry präsentiert, kommt der Wunsch nach einer Sitzgelegenheit auf. Die kleinteilige Male­-
rei in lasierender Traumästhetik braucht Zeit, fordert sie sogar. Die blaue Wand zieht farbpsychologisch wirksam in die Tiefe.
„Zunächst besaß ich einige kleinere Arbeiten von Nalini Mala­ni“, blickt Monique Burger zurück. „Als die Künstlerin überlegte, den Zyklus ,Listening to the Shades‘ in Teilen zu verkaufen, habe ich reagiert. Ich wollte nicht, dass er auseinandergerissen wird. Und dann fasziniert mich die Künstlerin selbst, die zunächst als Pathologin arbeitete.“ „Das Blau der Wände ist eine Vorgabe der Künstlerin“, ergänzt Kurator Kurjakovic. „Es lädt den Zyklus auratisch auf.“ Ein Bilderreigen entsteht, in dem Kriegsszenarien, imaginierte Wesen und Innenansichten des menschlichen Körpers durcheinandergewirbelt werden.
Als Hommage an Berlin gab Monique Burger zwei Arbeiten im öffentlichen Raum in Auftrag. So finden sich die in Bronze gegossenen Spuren des Schlafs von dem Berliner Künstler Fiete Stolte im Durchgang zum Ausstellungsgebäude in der Zimmerstraße. Vittorio Santoros Neon-Arbeit „Mo­no­logism as Poetry“ auf der Brandmauer Zimmerstaße 88/89 definiert den Erinnerungsraum Checkpoint Charlie neu. In Blick­nähe zu den nüchternen In­for­mationstafeln, die die Geschichte des Ortes rekapitulieren und täglich von Touristenscharen gelesen werden, leuchtet nun ein poeti­scher Freiraum auf. „Squeaking chalk on a blackboard – as poetry“, heißt es da beispielsweise. Wem erscheinen da nicht Bilder aus der eigenen Schulzeit vor dem inneren Auge. Erinnerung wird hier nicht anonym ausgelagert, sondern zur individuellen Res­source.

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„Conflicting Tales: Subjektivi­tät“ lautet der vollständige Titel der Ausstellung. Der nachgeschobene und philosophisch durch Jahrhunderte diskutierte Terminus „Subjektivität“ kommt etwas stolpernd daher, irritiert eher, als dass er neugierig macht. Der Katalog und das Rahmenprogramm verdeutlichen, worum es der Sammlerin und dem Kurator dabei geht: Künstlergespräche, die Zusammenarbeit mit Studenten und Absolventen der FU Berlin und der UdK, ein Round Table zu kunst­theoretischen Fragen und ein Workshop sollen die Ausstellung zu einer kommunikativen Plattform machen. Ob es dafür des schwergängigen Fingerzeigs eines Doppeltitels wirklich bedurfte, sei dahingestellt.


Text: Ulrike Münter

Fotos: Filmstill (Stunned man) Julian Rosefeldt:“Der Perfektionist“

 

Burger Collection
Zimmerstraße 90/91, Mitte,
Fr-Sa 12-18 Uhr, bis So 13.12.2009

 

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