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Hochkulturen

„China und Ägypten. Wiegen der Welt“ im Neuen Museum

Reise ins Jenseits: Das Neue Museum beleuchtet in einer Ausstellung „China und Ägypten“ als Wiegen der Welt.

© Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung / Sandra Steiß

Auf der Reise ins Jenseits sollten Verstorbene es gut haben. Zumindest, wenn sie höher gestellt und betucht waren. Sarg und Gräber als ewige Wohnungen erfuhren im alten Ägypten deshalb größte Sorgfalt. Für die Toten gab es vergoldete Mumienmasken, denn Gold galt als die Haut der Götter. Heute faszinieren diese rituellen Gegenstände als Kunstschätze die Besucher des Ägyptischen Museums. Wäre in der ägyptischen Hochkultur bereits der Leichnam verbrannt worden statt einbalsamiert, ließen sich nicht kunstvolle Mumienhüllen und Grabbeigaben bestaunen. Im Neuen Museum bietet sich nun erstmals ein Vergleich mit Chinas Zeugnissen der Vergangenheit an. Dort übernahm das kostbare Jadegewand die Funktion der Mumienhülle. Jade, dachte man, könne die Verwesung aufhalten.

Die Sonderausstellung „China und Ägypten. Wiegen der Welt“, die in Kooperation mit dem Shanghai Museum erarbeitet wurde, beleuchtet neben dem Totenkult auch Alltag, Schrift, Glauben, Herrschaft und Verwaltung im alten Ägypten sowie China. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen, spricht von der „vielleicht wichtigsten Ausstellung der Staatlichen Museen in diesem Jahr“. So einen Vergleich der Hochkulturen habe es „bisher noch nicht gegeben“. Kein Wunder, scheint dieser doch eher zufällig entstanden zu sein, mehr aus pragmatischen Gründen denn aus inhaltlich zwingenden. In Dahlem ist das Asiatische Museum ausgezogen, die Räume im Humboldt Forum stehen noch nicht bereit. So landeten die Leihgaben aus Shanghai im Neuen Museum, wo sie nun den Vergleich zu den Ägyptern der hauseigenen Sammlung antreten. Rund 250 Werke sind im gruftigen Untergeschoss zu betrachten, während im Nofretete im zweiten Obergeschoss residiert.

In vollen, teils überfüllten Vitrinen trifft ein langhalsiger Wachhund aus glasierter Keramik, Grabbeigabe aus der Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n.Chr.), auf einen Terrakotta-Spitz aus der Griechisch-Römischen Zeit (332 v. Chr.-313 n. Chr.), oder ein Bronze-Wassergefäß aus dem Shanghai-Museum auf den Kopf einer Sphinx aus dem Ägyptischen Museum. Warum letztere Kombination Sinn machen soll, erschließt sich nicht, auch wenn die Exponate für sich gesehen zweifellos interessant sind.

Wo liegen Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten, will die Schau aufzeigen. „Wir wollen definitiv nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagt Direktorin Friederike Seyfried. Aber ein bisschen mutet es doch so an. Zwischen beiden Kulturen gab es nie direkte Berührungspunkte. Ihre Entwicklungen verliefen unabhängig. Während die altägyptische Kultur um 30 v. Chr. im Römischen Reich aufging, war die altchinesische noch lange nicht am Ende. Vom größten Unterschied erfährt man durch die Kuratorin. Die Betextung in der Schau bietet wenig Klarheit. Besser, man bucht eine Führung, um etwas zu lernen. Zum Beispiel, dass die Ägypter in einer von Göttern durchdrungenen Welt lebten. In China hingegen ist diese Welt sehr viel abstrakter. Man lernt, dass es dort keine Skulpturen von Göttern gab. Dafür gibt es Figuren von Dienern. Im alten China glaubte man an ein Leben nach dem Tod, das dem diesseitigen ähnlich war und insofern in gewisser Weise altägyptischen Vorstellungen entsprach.

In der Annahme, dass das Sterben den Weg zu einem neuen Leben eröffnet, wurden „Dienerfiguren“, Opfergefäße und auch Waffen als Beigaben gefertigt. Während die Grenzen zwischen irdischer und göttlicher Welt im alten China verschwimmen, überdauerten in Ägypten die Darstellungen von Herrschern und Königinnen.

Neues Museum Bodestr.1-3, Mitte, tgl. 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, bis 3.12.

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