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Christian Josts Choroper Angst an der Komischen Oper

AngstFür den Berliner Rundfunkchor ließ sich der Komponist Christian Jost vor vier Jahren auf das Experiment ein, eine Oper zu schreiben, bei der statt individueller Darsteller nur ein Kollektiv auf der Bühne steht. Doch wovon kann ein Stück ohne Helden, Schurken und Liebespaare schon handeln? Jost beantwortet die Frage, indem er versucht, mit seiner „Choroper“ ein menschliches Grundgefühl zu beschreiben. Nicht in die epische Breite, sondern in die Tiefen des Unterbewusstseins geht sein knapp einstündiges Stück, dessen Handlung in Echtzeit vielleicht gerade mal einige Sekunden in Anspruch nehmen würde. In einem Zeitschriftenartikel hatte Jost über eine Extrem­situation gelesen, in der das Angst-Adrenalin freigesetzt wird: Die Geschichte zweier Bergsteiger, bei der einer den anderen opfern muss, um das eigene Leben zu retten – eine typische Cliffhanger-Geschichte. Doch statt ein Alpendrama auszumalen, begibt sich Jost auf eine „Reise ins Innere der Angst“, wie es im Untertitel seines Stücks heißt. „Ich kam nach einigen Überlegungen zu dem Punkt, dass sich in einer Stresssituation jeder Mensch auf ähnliche Weise in einer Gedankenvielfalt bewegt. Für mich war das ein Ansatz, die Vielfalt der Stimmen innerhalb eines Körpers zum Klingen, zum Tragen, zum Singen zu bringen“,  sagt der Komponist.

Bei der Uraufführung im Januar 2006 in den Sophiensaelen teilte sich die Stimmung auf pa­ckend suggestive Weise mit. Die Kritik war begeistert, und der Erfolg verschaffte Jost sogar einen noch viel größeren Auftrag: Ende dieser Spielzeit soll an der Komischen Oper seine „Hamlet“-Oper herauskommen. Um das Publikum schon mal langsam auf Josts Komponierstil vorzubereiten, hat Intendant Andreas Homoki den 45-Jährigen in dieser Spielzeit auch noch zum „Composer in Re­si­dence“ gemacht. Die ganze Saison über tauchen Jost-Werke in Kammer- und Sinfoniekonzerten auf, und in diesem Zusammenhang kommt auch die „Angst“ zurück: Für zwei Aufführungen in szenischer Neufassung gastiert der Rundfunkchor an der Behrenstraße.    

Text: Jörg Königsdorf

Fotos: Matthias Heyde

Angst Komische Oper, Behrenstraße 55-57, Mitte, Fr 9.1., So 18.1., 19 Uhr, Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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