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Classic Card – für alle unter 30

Sie sind gerade von St. Petersburg nach Berlin gezogen…
Ich habe schon eine Wohnung, aber sie ist noch ganz leer. Ich brauche noch ein Bett, einen Tisch, ein paar Stühle. Also schlafe ich zurzeit im Hotel.

Was ist Ihnen besonders wichtig an Ihrer Wohnung?
Raum!

Damit Sie tanzen können?

Nein, ich tanze nicht einmal zu Hause. Luxus ist es, Raum zu haben – nicht teure Möbel. Viel Raum und schöne Bilder. Ich mag minimales Design.

Was passiert, wenn Sie Musik hören?
Eigentlich höre ich kaum Musik außerhalb der Arbeit. Ich hasse Kopfhörer. Im Supermarkt, im Fahrstuhl, im Fernsehen – überall gibt es Musik, wenn auch keine gute. Ich versuche, dem zu entkommen. Wenn ich an einem Ballett arbeite, muss ich natürlich Musik hören – immer und immer wieder. Übrigens liebe ich Techno, etwa auf dem Sуnar-Festival in Barcelona. In New York hab ich auch fürs Ballett Techno verwendet.

Welche Musik ist für Ballett geeignet?
Manche Choreographen machen aus der besten Musik ein Massaker. Ich möchte respektvoll sein. Wenn die Komponisten noch leben, frage ich nach. Wenn sie tot sind, führe ich eine imaginäre Konversation. Früher habe ich in meinem Ballett über Bach ein Solo selbst getanzt, bei dem ich Bach um Verzeihung dafür bat, dass ich mit meinen dreckigen Hände in seine wunderschöne Musik fasse. Auch bei Verdi oder Debussy oder jedem anderen Komponisten muss man respektvoll sein. Musik ist die größte Kunstform. Ich wäre gerne Musiker geworden. Ich habe früher Klavier gespielt, aber dafür blieb wegen des Balletts keine Zeit mehr.

Nacho Duato

Wie entstehen überhaupt Bewegungen aus Musik?
Früher kamen sie mehr aus meinem eigenen Körper heraus, inzwischen choreographiere ich stärker für die Tänzer. Ich denke niemals an Tanzschritte, sondern an die Atmosphäre und daran, was ich mit diesem Stück sagen möchte. Mittlerweile trage ich ein so großes Tagebuch aus Schritten mit mir. Ich muss mich selbst zurückhalten. Weniger ist mehr, oder nicht? Ich bin kein Christian Dior, aber man muss von den Meistern lernen.

Wünschen Sie sich mehr junges Publikum fürs Staatsballett?

Ja, und meine Arbeit ist sehr freimütig, was hoffentlich junge Leute anspricht. Ich möchte auch mit den Ballettkonservatorien zusammenarbeiten.

Die Classic Card ermöglicht jungen Menschen preisgünstigen Klassikgenuss.
Diese Karte ist fantastisch. Ich möchte das Haus für junge Leute öffnen. Obwohl es auch toll wäre, wenn junge Menschen Geld für klassische Konzerte sparen, wie sie es für den Ibiza-Urlaub tun. Es geht aber weniger darum, ein junges Publikum anzuziehen, sondern darum, ihnen Fantasie zu geben. Ein Land mit jungen Menschen ohne Imagination wäre schrecklich. Computerspiele leisten das nicht, obwohl ich die auch gerne spiele. Tanz, Theater und Musik stellen aber etwas ganz anderes mit einem an.

 

Die ClassicCard ist für alle unter 30. Sie kostet einmalig 15 Euro und gilt ein Jahr ab dem persönlichen Wunschtermin. Weitere Informationen unter www.classiccard.de

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