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ClassicCard – für alle unter 30

Portrait von Katharina Kammerloher

Wie passen Sie auf Ihre Stimme auf, wenn es jetzt kälter wird?
Wenn es richtig bläst, wickle ich mir einen Schal bis über die Nase. Einmal hielten mich französische Touristen für einen Hooligan. (lacht) Wichtig ist, dass man sich kennt und weiß, wie man sich pflegen muss. Dann einfach auf die Bühne und los geht’s. Da sollte man nicht kompliziert sein.

Sind Sie manchmal trotzdem eine Opern-Diva mit Allüren?
Ich hab mich nie als Diva gefühlt. Dazu war ich viel zu schüchtern. Mir macht es so viel Spaß hier an der Staatsoper. Wir knuddeln uns. Der eine geht halt auf die Bühne, der andere macht hinten die Requisiten fertig. Jeder, ob auf oder hinter der Bühne, gibt sein Bestes für einen großen Opernabend.

Als Mezzosopranistin schlüpfen Sie auch in Männerrollen.
Super ist das, sich vorzustellen, wie ein Mann das fühlen würde. Man guckt sich die Kerle an. Wie Männer sich bewegen und auf Frauen zugehen. Frau sein, sexy, richtig Weib, macht auch Spaß. Aber eine Hosenrolle ist noch mehr Herausforderung. Man muss den Schwerpunkt nach unten verlagern. Meine beste Maske hatte ich als Komponist in „Ariadne auf Naxos“: mit Bart. Da haben selbst die Pförtner dreimal hingeguckt. (lacht)

Viele Regisseure erwarten richtig Action von den Sängern.
In Italien hab ich mal „Cosм fan tutte“ gesungen. Da fragte der Regisseur: Geht das, wenn Sie sich hinsetzen? Ich musste immer schmunzeln. Im Sitzen singen – das ist doch das Mindeste von dem, was wir in Deutschland so treiben. Als Dorabella musste ich hier aufs Garagendach klettern und dabei meine Arie singen. Manchmal geht es an die Grenzen, dann leidet die Musik darunter.

Wie kamen Sie überhaupt von der Oboe zum Gesang?
Ich hab ein abgeschlossenes Oboen-Studium, hab viel Orchestermusik gespielt. Aber ich hab immer geheult, wenn die Sängerinnen besonders schön gesungen haben. Ich dachte mir: Da vorne will ich hin, das ist mein Job! Die Oboe hab ich ein Jahr später an den Nagel gehängt. Parallel geht das nicht. Die Oboe braucht unheimlich viel Druck. Gesang braucht viel feineren Atem. Die Oboe hab ich dann verkauft.

Daniel Barenboim hat Sie 1993 nach Berlin geholt.
Er hat mich bei meinem ersten Vorsingen vom Fleck weg engagiert. Kann mal so passieren. (lacht) Ich war einfach frech, hab die Erzählung der Waltraute aus der Götterdämmerung gesungen – die würde ich heute noch nicht auf der Bühne singen.

Die „Barbier von Sevilla“-Inszenierung von Ruth Berghaus läuft seit 1968. Schleift sich da nicht so einiges über die Jahre ab?
Nein, überhaupt nicht. Leute, die die Premiere damals gesehen haben, sagten uns später: Heute ist es teils noch besser. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es ist der reine Spaß.

Welche Plätze würden Sie jungen ClassicCard-Inhabern in der Staatsoper empfehlen?
Wenn ich ehrlich bin: Ganz vorne ist es gut, wenn die Sänger gute Schauspieler sind. Aber akustisch ist es besser, auf dem Rang zu sitzen. Hier im Schiller Theater hat man da eine perfekte Sicht.

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