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ClassicCard – für alle unter 30

Dagmar ManzelAls Sie 30 waren, war da der Tatort auch schon so cool?
Ja klar, wir haben alle Tatort geguckt. Und wir waren Fans von Götz George als Horst Schimanski. Den fand ich besonders cool. (lacht) Das Format reizt mich, im Unterschied zu dem, was sonst so im Fernsehen läuft zurzeit.

Was werden  Sie aus Berlin vermissen, wenn Sie ab Herbst als neue Tatort-Kommissarin in Franken unterwegs sind?
Gar nichts, denn ich bin ja trotzdem Berlin-präsent: am Deutschen Theater, am Berliner Ensemble,  und jedes Jahr an der Komischen Oper Berlin mit einer Produktion. Ich hab meine Lesungen und Konzerte.

Was bedeutet Ihnen Kultur in Berlin?
Drei Opernhäuser, so viele Theater, freie Bühnen, Ballettcompagnien, Konzertsäle. Berlin wäre ohne Multi-Kultur eine armselige Stadt.

Man sieht Sie auch auf Pop-Konzerten.
Ja, viel in der Columbiahalle, bei der isländischen Band Sigur Rуs zum Beispiel. Wenn die nach Berlin kommen, bin ich immer mit dabei. Ich liebe auch ihre Vorgruppe Amiina, das Streichquartett. Die sind abgefahren.

Und was bedeutet Ihnen die Klassik?
Die Klassik-Säle sind voll, trotz hundert Fernsehprogrammen. Musiktheater ist für mich zurzeit der Dreh- und Angelpunkt hier in Berlin. Obwohl ich natürlich auch Schauspielerin bin.

Hatten Sie die Klassik schon früh für sich entdeckt?
Ja, obwohl ich auch gern Rock gehört hab, Stones und so, wollte ich immer dirigieren. Zuhause hab ich alle Sinfonien von Beethoven dirigiert. (lacht) Maria Callas hab ich gesungen, Gott sei Dank hat mich niemand gehört. (lacht) Später kamen Lieder auf mich zu, die für singende Schauspieler geschrieben worden sind.

Wie haben Sie überhaupt die Berliner Kulturszene erlebt als Schülerin und Studentin?
Ich komme aus der DDR und da gab es eine super Pflicht: Schulklassen hatten Theater- und Opernanrecht. Wir sind jeden Monat ins Konzert, ins Ballett oder ins Theater gegangen. Als Jugendliche kam ich so schon viel ins Maxim-Gorki-Theater, auch viel in die Komische Oper. Aber heute ist das schweineteuer für junge Leute: 80 Euro in der ersten Reihe im Opernhaus. Deswegen ist die ClassicCard so toll. Man kann top Vorstellungen sehen, vorne sitzen für wenig Geld. Und das kriegt man dann noch zusammen. Notfalls raucht oder trinkt man ein bisschen weniger. (lacht)

Warum ist es überhaupt ein so tolles Gefühl, in einer der ersten Reihen zu sitzen?
Durch den unmittelbaren Kontakt, der beim Theater ohne Orchestergraben natürlich leichter hergestellt ist. Auch für Schauspieler ist es übrigens toll, unmittelbar die Reaktionen mitzukriegen, bis hin zu jedem Ausatmer.

ClassicCard

Foto: Copyright ©Brigitte Heinrich

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