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Claudia Skoda trifft Tanja Steuer

Claudia Skoda trifft Tanja Steuer

Claudia Skoda: Die Mode-Autodidaktin hat zunächst als Lektorin gearbeitet, verkehrte mit Pop-Größen wie David Bowie und gilt als einzige Berliner Designerin von Rang und Namen.
Tanja Steuer: Die 1982 in Bremen geborene Absolventin des Lette-Vereins führt seit 2009 ihr in Kreuzberg ansässiges High-Fashion-Label ?Ta-Ste, dessen Name ein Wortspiel mit den Anfangsbuchstaben ihres Namens ist.

Since 1973“ liest man auf den Stufen, wenn man Claudia Skodas Laden in der Mulackstraße in Mitte erklimmt. Tanja Steuer, ebenfalls Designerin, aber ?36 Jahre jünger als die 1946 geborene Mode-Ikone ­Skoda, fühlt sich gleich in ihrem Element. „Die Farben!“, jauchzt sie und steuert zielsicher auf einen üppigen, königsblauen Mohair-Mantel zu, streichelt dann einen flauschigen, knall-orange, riesigen Pulli. Als Claudia Skoda erscheint, herrscht kurz respektvolle Stille. „Darf ich Du sagen?“, fragt die Ältere. „Ja, gerne“, antwortet die Jüngere. Das Eis, das für einen Moment im Raum zu klirren schien, schmilzt in Windeseile.

Claudia Skoda Ich komme ja aus der Hippie-Zeit, hatte nach dem Lustprinzip gearbeitet und bin in meinen modischen Äußerungen immer nur nach meinem Gefühl gegangen – egal, welche Mode um mich herum gerade angesagt war. Das kann man heute so nicht mehr machen, das geht schief.
Tanja Steuer Wir sind die Träger meiner Mode sehr wichtig. Ich würde sagen, sie sind zwischen 25 und ?55 Jahre alt. Ich versuche ein breites Spektrum abzudecken. Je nachdem, in welchem Kontext man sich bewegt, muss die Kleidung passen. Manchmal will man einfach seriöser wahrgenommen werden, und manchmal hat man so ein ,Power to the woman?-Gefühl, will die Blicke auf sich ziehen.

Natürlich trägt Tanja Steuer beim Treffen mit Claudia Skoda ein Stück ihres eigenen Labels Ta-Ste. Es ist ein dunkelblaues Hemdblusenkleid mit einer ungewöhnlich fallenden Kette als dezentem Eyecatcher. Die Bühne überlässt sie damit eindeutig ihrem Gegenüber, der Pionierin in Sachen Strick-Design. Dabei hätte Tanja durchaus mit einem witzigen Overall, einem raffinierten Fledermausärmelkleid oder einem Oversized-Strickkleid mit auffälligem Zopfmusterkragen aus ihrer Kollektion auftrumpfen können. Doch gegenseitiges Auftrumpfen ist zwischen den beiden überhaupt kein Thema. Claudia Skoda ist noch immer die staunende, experimentierfreudige Entdeckerin, nun im Körper einer gereiften Frau. Es vergeht nur knapp eine halbe Stunde, bis sie der jüngeren Kollegin, die ihr bis zu diesem Termin noch unbekannt war, eine erste gemeinsame Aktion vorschlägt.

Claudia Skoda Ich lerne gerne junge Leute kennen, von denen kann man einfach mehr Neues erwarten. Ich hatte in meinem Laden auch immer mal wieder Flächen für Stücke von jungen Designern geschaffen. Ich mag es nicht so altershomogen. Das Problem ist, dass die Kunden, die zu mir kommen, eigentlich nur Sachen kaufen wollen, wo Claudia Skoda drinsteht. Dabei war es in den 70ern in Berlin viel einfacher, sich einen Namen als Modedesigner zu machen. Die jungen Leute jetzt müssen sich mit Tausenden von Mitbewerbern messen, die von den vielen Schulen kommen. Noch dazu ist Mode durch Online-Shops und Textilketten omnipräsent – und unheimlich billig.
Tanja Steuer Aus diesem Grund ist meine Strategie auch zu entschleunigen. Ich mache bei dieser Wegwerfgesellschaft nicht mit und will keine fünf Kollektionen im Jahr entwerfen. Meinem Showroom habe ich vor Kurzem noch ein kleines Cafй angegliedert. Da kann man sich Zeit nehmen, darf stöbern, sich austauschen. Das ist ein kreativer Raum, in dem sich auch mein Freundeskreis trifft, Künstler, Designer, Fotografen.

Mit kreativen Freundeskreisen kennt auch Claudia ­Skoda sich bestens aus. Noch bevor sie, aber auch ihre Freunde als Modedesigner, Maler oder Starköche bekannt wurden, unterstützte man sich gegenseitig. Der Künstler Martin Kippenberger entwarf Einladungskarten für Skoda, Wolfgang Joop stolzierte als Model für sie über den Laufsteg und Sarah Wiener tauschte bei ihr Menüs gegen Mode: „Da ist einfach das Bedürfnis, sich mit inspirierenden Leuten zu umgeben“, sagt Skoda. „Künstler sind auf Mode-Signale angewiesen und Modedesigner auf Kunstsignale. Das war immer so und wird immer so bleiben.“ „Eine Symbiose“, lacht Tanja Steuer. Und muss Claudia Skoda auf einmal ganz heftig knuddeln.

Text: Eva Apraku

Foto: Gerd Metzner

Weitere Informationen unter www.claudiaskoda.com und www.ta-ste.com

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