Das arkaoda macht dicht: Abschied von einem Berliner Lieblingsort

Ein echter Verlust für die musikalische Vielfalt des Berliner Nachtlebens: Ende Juli verkündete das arkaoda via Instagram, dass der kleine Club am Karl-Marx-Platz in diesem Sommer endgültig seine Türen schließen wird. Die ersten Goodbye-Partys sind bereits gefeiert, am letzten Augustwochenende folgt die zweite Hälfte einer sechsteiligen Abschiedsreihe mit Künstler:innen und Kollektiven, die den Club über die Jahre geprägt haben. Nach der allerallerletzten Party am 30. August heißt es dann endgültig: Auf Wiedersehen.
Nach diesen intensiven letzten Wochen werde der Abschied umso schwerer fallen, sagt Ozan Maral am Telefon. Maral ist einer der Betreiber, er kam vor neun Jahren aus Istanbul nach Berlin – und brachte den Club quasi mit, denn das arkaoda ist die Schwester des gleichnamigen Ladens im Istanbuler Viertel Kadıköy. Mit dem arkaoda hat Maral einige Krisen durchgemacht: die Pandemie natürlich, die der Club- und Gastronomieszene der Stadt massiv zusetzte. Und dann waren da die ständigen Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft, die dem arkaoda wiederholt Ärger mit den Behörden bescherten und 2024 sogar zur vorübergehenden Schließung des Untergeschosses führten. Dort, wo normalerweise Konzerte und Clubnächte stattfanden, wurde der Schallschutz aufwendig nachgebessert. Das arkaoda hatte schon vor der Eröffnung einen „Raum im Raum“ gebaut, um den Schall von den angrenzenden Wohnungen fernzuhalten; 2024 musste hinter dieser Konstruktion noch eine weitere Wand eingezogen werden.
Nach den Renovierungsarbeiten schien das Problem schließlich gelöst. Seit rund einem Jahr, erzählt Maral, sei Ruhe gewesen: keine Lärmbeschwerden mehr, eigentlich gute Stimmung. Und doch ist auch am arkaoda nicht spurlos vorbeigegangen, womit viele Berliner Läden und Clubs kämpfen: Inflation, steigende Kosten, ein verändertes Nachtleben. Dazu kam, dass sich die Menschen hinter dem arkaoda allmählich in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt und neu orientiert haben; Marals wichtigster Geschäftspartner hat Berlin verlassen. Eigentlich würde Maral gerne weitermachen. Und er klingt nicht so, als würde er das grundsätzlich ausschließen, sollte sich ein neuer Partner finden. Erst einmal aber ist am Sonntag Schluss.
Arkaoda war die perfekte Mischung aus Bar und Club, wie es sie in Berlin zu selten gibt
Damit verliert die Stadt einen der schönsten Treffpunkte, der Bar, Konzert-Venue und Club in einem war, und eben eine Institution der Berlin-Istanbul-Connection. Auch das 1999 in Kadıköy eröffnete arkaoda versteht sich bis heute weniger als klassischer Club denn als unabhängiger Musik- und Kulturort – mit Konzerten, DJ-Sets, Partys, Märkten und anderen Veranstaltungen. Der Guardian nannte es 2018 einen der interessantesten Orte der Kadıköy-Szene und einen Wegbereiter für die kulturelle Entwicklung des Viertels, das heute als Hotspot der kreativen Szene Istanbuls gilt.
Genau das war auch das Besondere am arkaoda in Neukölln: Zum einen ein Programm, das zwar oft elektronisch geprägt, aber sehr viel expansiver und avantgardistischer war als das vieler anderer Berliner Clubs. Vor allem aber war das arkaoda eine der seltenen perfekten Mischungen aus Bar und Club, eine Tanzbar im besten Sinne: eine wirklich gute Bar, schummriges Kerzenlicht und gemütliche Sitzmöglichkeiten, eine feine Terrasse, ein entspannter Zwischenraum, in dem DJs spielten und Leute herumsaßen – und dann, ein paar Stufen weiter unten, der Keller, in dem es so undergroundig abging, wie es sich für eine Berliner Tanzfläche gehört. Noch dazu musste man hier selten lange anstehen, die Preise blieben vergleichsweise fair.
Ein perfekter „dritter Ort“ also, an dem man um neun Uhr abends auf ein Bier vorbeischauen oder um vier Uhr morgens noch tanzen gehen konnte.
Das arkaoda war ein Stück Istanbul in Neukölln, aber eben nicht als Folklore – es war eine echte Verbindung zwischen zwei Städten und ihren Szenen, ob Techno, Disco, Wave, Dub, Experimental oder sonst wie etikettiert. Das arkaoda war eine wunderbare Verschmelzung für Liebhaber:innen eklektischer Musik, aber auch für Liebhaber:innen guter Gespräche. Eine Kombination, die viele Berliner Clubs höchstens in ihren Außenbereichen bieten – im Winter also praktisch unauffindbar in dieser Stadt. Ein guter Grund, an diesem letzten Wochenende noch einmal kurz vorbeizuschauen. Und vielleicht, ungeplant, dann doch sehr lange zu bleiben.