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Bereit zum Abflug: Ein neuer Kulturort am Flughafen Tegel

Das Gelände des stillgelegten Flughafen Tegel verwandelt sich in einen Abenteuerspielplatz: Die Frachtkante hat ihre Wurzeln in der Clubkultur, will aber mehr bieten als Party
Text: Marit Blossey
Veröffentlicht am: 03.06.2026
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Feiern mit Blick direkt auf das stillgelegte Rollfeld: Die Frachtkante haucht dem Flughafen Tegel neues Leben ein. © Frachtkante


Endlich gibt es wieder einen guten Grund, in den Bus 109 Richtung Tegel zu steigen. Wo sich früher Reisende mit Rollkoffern in Richtung TXL drängten, könnten bald junge Menschen in Rave-Outfits unterwegs sein. Auf dem Gelände der alten Frachtkantine in Tegel auf der Westseite des Flughafens existiert bereits seit etwa vier Jahren die sogenannte Modellfläche TXL, ein Modellprojekt, das durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt gefördert wird. Seit diesem Frühjahr lädt hier ein neuer Veranstaltungsort ein: die Frachtkante.

Dahinter steht das Kollektiv khisdapaze e.V. , das unter anderem hinter dem Sägewerk Festival in Brandenburg steckt und auch sonst eher mit Raves außerhalb der Stadtgrenzen von sich reden macht. Mit der Fläche am Flughafen schlagen sie jetzt gewissermaßen einen Mittelweg zwischen Urbanität und weiter Ferne ein: Nach einer neuen Ausschreibung des Senats im Jahr 2025 erhielt khisdapaze den Zuschlag, den Ort künftig zu betreiben und weiterzuentwickeln.

Aktuell befindet sich die Frachtkante noch im Wandel: Zwischen Baugerüsten, frisch entstandenen Bühnen und offenen Freiflächen wird gehämmert, geschraubt und geplant. Trotzdem soll es jetzt losgehen, vor allem mit den Open-Air-Events. Seit April 2026 finden hier erste Veranstaltungen statt – mit direktem Blick auf das ehemalige Rollfeld.

„Gerade dieses gemeinsame Bauen und Entwickeln ist schon jetzt ein wichtiger Teil dessen, was die Frachtkante ausmacht“, erzählt Chiara vom khisdapaze e.V. im Gespräch mit tipBerlin. Dabei verstehen die Initiator:innen die Frachtkante ausdrücklich nicht als klassischen Club: Vielmehr soll hier ein offener, interdisziplinärer Kulturraum entstehen. Day Raves und Clubnächte gehören ebenso zum Programm wie Konzerte, Lesungen, Theaterproduktionen, Workshops, Flohmärkte oder Community-Treffen.

„Unsere Veranstaltungen sollen die Vielfalt Berlins repräsentieren und Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen“, sagt Chiara. Ziel sei es, Räume für Austausch, gemeinsames Feiern und gegenseitige Unterstützung zu schaffen. An diesem Sonntag, 7. Juni, findet zum Beispiel der erste sommerliche frachti-Markt mit Ständen, Musik, Drinks und Essen für die ganze Familie statt, am 11. Juni geht es weiter mit Open-Air-Kino. Die nächste Open-Air-Party ist für den 20. Juni geplant, Tickets dafür (15€) gehen ab Dienstag, 9. Juni um 15 Uhr in den Vorverkauf.

Frachtkante soll ein Ort für barrierearmes Feiern sein

Hinter dem Projekt steht ein Netzwerk aus Akteur:innen der Berliner Kultur- und Festivalszene. Der Wunsch nach einem größeren, gemeinschaftlich getragenen Kulturort begleitet viele von ihnen bereits seit Jahren, wie Chiara berichtet. Die Ausschreibung für das Modellprojekt kam daher wie gerufen, und die besondere Lage fernab der etablierten Ausgehviertel verleiht dem Projekt zusätzlichen Reiz.

Besonders wichtig ist dem Team die Offenheit des Ortes: Die Frachtkante richtet sich bewusst nicht an eine klar definierte Zielgruppe. Stattdessen sollen unterschiedlichste Communities die Möglichkeit erhalten, den Raum mitzugestalten und für eigene Projekte zu nutzen. Immer wieder will der Verein dafür Open Calls starten, die Menschen dazu aufrufen, eigene Veranstaltungen zu organisieren und Ideen einzubringen. Rund 60 Personen arbeiten mittlerweile am Projekt mit, ein enger Kern umfasst etwa 20 bis 25 Menschen.

Auch der diskriminierungskritische Anspruch spielt eine wichtige Rolle für die Frachtkante. Awareness-Strukturen und ein verbindlicher Code of Conduct sollen dafür sorgen, dass sich insbesondere Menschen aus marginalisierten Gruppen sicher und willkommen fühlen. Gemeinsam mit Initiativen für barrierefreies Feiern arbeitet das Team daran, die Räume möglichst zugänglich zu machen. Praktisch: Da die Innenräume früher eine Küche beherbergten, sind sie größtenteils sowieso schon stufenlos und verfügen über breite Gänge. Ein großer Vorteil gegenüber den vielen Berliner Clubs in kleinen, verwinkelten Gebäuden.

Auch wenn die aktuelle Nutzung zunächst auf drei Jahre befristet ist, denken die Macher:innen weiter in die Zukunft. „Wir verstehen die Frachtkante nicht als kurzfristiges Experiment“, so Chiara. „Der Ort soll mit den Menschen wachsen, die ihn nutzen und gestalten.“

Frachtkante Urban Tech Republic, Gebäude V Flughafen Tegel 1, Tegel; neben der Freiwilligen Feuerwehr Charlottenburg Nord auf der Westseite des Flughafens, mehr Informationen und Programm hier


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