Zwei neue Rave-Highlights in Berlin: TFELD Festival startet am 22. August

Pashanim, Paul Kalkbrenner und Ellen Allien: Stargespicktes Line-up auf dem TFELD Festival
Berlin hatte schon immer mehr als eine Hymne. Berlin, das ist das alte Tuten der S-Bahn-Türen in Paul Kalkbrenners „Sky and Sand“ genauso wie Sidos „Mein Block“, das sind Rap-Crews wie K.I.Z. und BHZ genauso wie der Techno-Sound der Neunziger von Tresor bis Love Parade. Es sind die beiden Musikrichtungen, die die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten am stärksten geprägt haben: Techno, gewachsen aus den Freiräumen der Nachwendezeit, aus besetzten Häusern, Kellern und Clubs, und Hip-Hop, der sich zunächst vor allem in den migrantisch geprägten Bezirken der Stadt, in ihren Jugendzentren, Hinterhöfen und auf der Straße entwickelte. Beide Genres haben sich aus ihren Anfängen im Underground mittlerweile herauskommerzialisiert, Techno-DJs sind Megastars, Deutschrap führt die Charts an.
Lange existierten die beiden Welten weitgehend nebeneinander. Hip-Hop hatte seine bestimmten Codes, die Clubkultur war ihr ganz eigener Kosmos. In den vergangenen Jahren scheinen sich diese Grenzen jedoch zunehmend aufzulösen: Produzenten arbeiten selbstverständlich mit Rap-Samples, House-, Trance- oder Techno-Elementen, immer mehr Acts finden sowohl in Rap-Kreisen als auch auf Raves statt, und vor allem ein junges Publikum scheint in beiden Welten zu Hause zu sein.

Ein neues Festival hat es sich in diesem Sommer zur Aufgabe gemacht, die beiden großen Berliner Musikrichtungen zu vereinen. Statt sich für eine Szene zu entscheiden, bringt das TFELD Festival beide zusammen: Hip-Hop und elektronische Musik teilen sich gleichberechtigt ein Festivalgelände. Unter dem Motto „Das ist Berlin“ soll sich der Flughafen Tempelhof am 22. August in eine Momentaufnahme der aktuellen Musikkultur der Stadt verwandeln.
Auf vier Bühnen treffen ausschließlich Berliner Acts aufeinander, darunter Größen am DJ-Pult wie Paul Kalkbrenner und Ellen Allien, der Kreuzberger Rapper Pashanim, der mit Hits wie „Airwaves“ zum Star an der Schnittstelle von Cloud- und Berliner Straßenrap geworden ist, der deutsch-kurdische Rapper AK Ausserkontrolle oder Southstar, der mit seinen Hyperpop- und Trap-Beats die neue Berliner Techno-Welle verkörpert. Drumherum warten ein Basketball-Court, ein Flohmarkt und diverse Kunstinstallationen. Nach dem Open Air geht es im Hangar mit einer gemeinsam mit Watergate kuratierten Aftershow bis in den Morgen weiter.
Dass Hip-Hop und elektronische Musik heute zusammenfinden, ist natürlich eigentlich folgerichtig. Schließlich liegen die Ursprünge der Genres nah beieinander: Beide entstanden in Schwarzen Communities in den USA, beide verstanden sich als Mittel kultureller Selbstermächtigung. Während Hip-Hop Ende der 1970er-Jahre in der Bronx aus Blockpartys hervorging, entwickelte sich Techno wenige Jahre später in den afroamerikanischen Vierteln Detroits als futuristische Antwort auf eine Stadt im industriellen Umbruch. Die Debatten über kulturelle Aneignung ähneln sich daher in beiden Genres, die Aneignung Schwarzer Kultur im Hip-Hop, die Tatsache, dass Berlin häufig als Wiege des Techno inszeniert wird und seine Schwarzen Ursprünge aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden.

Dabei gab es doch schon einmal ein Festival, das elektronische Musik, Hip-Hop und alles dazwischen ganz selbstverständlich zusammenbrachte. Das Melt war für viele Berliner:innen Pflichtprogramm. Seit 2024 ist das Festival Geschichte, doch die Macher:innen verschwanden nicht lange von der Bildfläche.
Das TFELD- und Magma Festival spiegeln den Zeitgeist des musikalischen Berlins wider
Vergangenes Jahr entschieden sie sich zunächst für den entgegengesetzten Weg: Statt ein großes Festival fortzuführen, teilten sie dessen musikalische DNA auf. Aus dem Melt wurden zwei Formate –Festivaldirektor Magnus von Welck begründete die Trennung damals in einem Interview mit Groove damit, dass sich schon in den letzten Melt-Jahren zwei unterschiedliche Publikumsströmungen herausgebildet hätten. Nur ein Jahr später ist es mit dieser Trennung allerdings schon wieder vorbei. Diesen August geht nur der Magma Weekender im RSO an den Start, allerdings deutlich breiter aufgestellt als im letzten Jahr: House, UK Bass und Techno treffen hier auf Alternative R&B, Hyperpop oder Indie, mit Acts wie dem britischen Star-DJ Joy Orbison, der Avantgarde-R&B-Künstlerin Erika de Casier oder Meg10, der Berliner DJ mit einer ausgeprägten Vorliebe für Y2K-Hip-Hop und R&B. Wächst am Ende also doch wieder zusammen, was zusammen gehört?
Das alles lässt sich durchaus als Zeichen der Zeit lesen. Einerseits verschwimmen die Grenzen zwischen Rap, Pop und elektronischer Musik ohnehin immer stärker. Das Publikum gehört längst nicht mehr nur einer einzelnen Szene an. Andererseits hat die Rückkehr zu einem einzigen Festival mit Blick auf steigende Produktionskosten sicher auch ganz pragmatische Gründe. So sammeln in diesem Sommer TFELD und Magma die vielen Verästelungen der musikalischen Gegenwart unter einem Dach. Beides passt zu Berlin – einer Stadt, in der Szenen ständig neue Grenzen ziehen, nur um sie kurz darauf wieder einzureißen.