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Cornelius Gurlitt ist tot

Pferde auf Landschaft

Er war einsam, zurückgezogen, still, dabei stets elegant gekleidet, irgendwie aus der Zeit gefallen. Ein Mann ohne Eigenschaften, nur sein Erbe macht ihn einzigartig. Cornelis Gurlitts Vater, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, der im Auftrag der Nazis mit Kunst handelte und für sich selbst eine beachtliche Privatsammlung zusammentrug, vermachte ihm einen Bilderschatz, der ihn fortan bestimmen sollte, bis zum Schluss. Für diese Gemälde, Grafiken und Zeichnungen – darunter auch das oben abgebildete „Pferde in Landschaft“ von Franz Marc – existierte Cornelius Gurlitt, ihnen ordnete er alles andere unter. Niemand kannte ihn, niemand wusste von den Werken, sie waren sein Geheimnis.
Alles lief eine geordnete Bahn, bis das Schicksal und die Medien ihn an die Öffentlichkeit zerrten. Die Bilder wurden beschlagnahmt, Gurlitt blieb allein, er verstand die Welt nicht mehr. Die Beschlagnahme war juristisch fragwürdig, dennoch musste er sich zum Teil berechtigten Vorwürfen stellen. In den ungezählten Artikeln und Fernsehbeiträgen ging es immer wieder um den Umgang mit NS-Raubkunst, um enteignete und abgepresste Kunst oftmals jüdischer Vorbesitzer, die auf dunklen Wegen über seinen Vater zu ihm in die berühmte Wohnung in München gelangte. Als im März seine Anwälte verkündeten, dass die Sammlung von Provenienzforschern geprüft und in berechtigen Fällen restituiert wird, ging ein Ruck durch die Debatte. Plötzlich hatte der unscheinbare Herr Gurlitt eine Vorbildfunktion, eine Funktion, die er nie haben wollte, genauso wie das ganze Chaos, das um ihn herum entstand. Als die Affäre begann ging er auf die 80 zu, am Dienstag (06.05.14) ist er 81-jährig in München gestorben. Letztlich hat er die Situation nicht verkraftet und geht wohl als tragische Figur in die Geschichte ein. Was bleibt, ist die Frage, was jetzt mit seinem Kunstschatz passiert.

Text: Jacek Slaski

Foto: © Franz Marc / Wikimedia Commons

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