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Das Forschungsprojekt gibt’s wirklich: Astrofuturismus

AstrofuturismusDas Weltall, unendliche Weiten – so beginnt die wohl populärste Science-Fiction-Serie. Star Trek erzählt eine Zukunftsvision, die damals viele Menschen hatten und heute immer noch haben: Mit immer besserer Technik werden die Erdbewohner den Weltraum beherrschen und besiedeln. Mit der Abwanderung ins All lassen sich, so die Hoffnung, ganz einfach die wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf der Erde überwinden.
Seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit es Menschen gibt, ist das Weltall, das Außerirdische, eine Projektionsfläche für die Hoffnungen, Sehnsüchte und Wünsche, aber auch für die ?Ängste der Menschen. Dass man neben der Erforschung dieses Raums und seiner Planeten auch die Faszination der Menschen zum Gegenstand von Wissenschaft machen könnte, klingt erst einmal wenig überzeugend. Überzeugt davon ist aber die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie fördert nämlich das Forschungsprojekt „Astrofuturismus“ an der FU mit 1,1 Millionen Euro. Hinter dem spektakulären Begriff des Astrofuturismus versteckt sich ein Forschungsfeld der Geschichtswissenschaft, und das heißt vor allem Quellenarbeit.
Ob Filme, Romane, Erzählungen in Groschenheftchen oder Berechnungen von Ingenieuren: Alexander C.T. Geppert untersucht mit seinem Forschungsteam die verschiedensten Quellen, um herauszufinden, wie sich die Begeisterung für das All ab Ende der 20er-Jahre entwickelt hat. Sein Habilitationsprojekt begreift Astrofuturismus als Teil der europäischen Zeitgeschichte. Entgegen heutiger Vorstellungen liegt das Zentrum des Weltraumfiebers übrigens nicht in den USA oder der Sowjetunion, sondern mitten in Europa. 1927 gründeten in Breslau Enthusiasten den Verein für Raumschifffahrt, der schließlich nach Berlin umzog. Wenig später finanzierte hier die Filmproduktionsfirma UFA Raketenexperimente.    

Text: Ronald Klein

Foto: Paramount Pictures

Ort des Forschungsprojekts ?Friedrich-Meinecke-Institut der FU, Koserstrasse 20
Existiert seit Januar 2010
Forscher im Team fünf
Projektdauer fünf Jahre
Größte Erkenntnis bisher ?Weltraumdenken und UFO-Glaube sind nicht losgelöst voneinander zu begreifen. Sie teilen ein ?gemeinsames Hauptmotiv: die Suche nach ?kosmischer Transzendenz im räumlichen Jenseits
Kontakt ?Dr. Alexander C.T. Geppert, Tel. 83 85 68 99,? [email protected]
Website ?www.geschkult.fu-berlin.de/astrofuturismus
Einschlägige Literatur zum Thema ?Alexander C.T. Geppert: Imagining Outer Space.?European Astroculture in the Twentieth Century, Palgrave Macmillan 2010.  Die Anthologie soll im Laufe der nächsten Monate erscheinen.

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