• Kultur
  • „Das Goldene Vließ“ von David Bösch am Deutschen Theater

Kultur

„Das Goldene Vließ“ von David Bösch am Deutschen Theater

Das Goldene Vließ
Offenbar schlummert in jedem Jungschauspieler ein Rock­musiker. Am Deutschen Theater hat er seinen Auftritt in Franz Grillparzers Medea-Variante „Das Goldene Vließ“ von 1821. Im dichten Bühnennebel entsorgt Tino Mewes die ersten beiden Teile von Grillparzers Trilogie, indem er den Raub des Goldenen Vließes, die Ermordung von Medeas Vater, die Flucht Medeas und Jason aus Kolchis – „yeah, yeah“ – in einem müde runtergehauenen Song abhakt. Womit schon nach den ersten zehn Minuten klar ist, dass der Regisseur dem Stück nur diffuses Desinteresse entgegenbringt.
Dass der Medea-Stoff im Kern nicht nur vom Kindsmord aus Eifersucht, sondern von einem frühen Clash der Kulturen zwischen der „Barbarin“ Medea und dem Griechen Jason handelt, interessiert den Regisseur nicht weiter. Mit offensiver Unbedarftheit hat Bösch vor der Premiere erklärt, er wolle „die Kerngeschichte der zwei Liebenden vom mythologischen Ballast befreien“ – und genau das tut er dann auch: Seine Inszenierung verkleinert das Stück zur Beziehungsgeschichte, frei vom „Ballast“, der die eigentliche Dimension des Stoffes ausmacht.
Sowohl Kolchis als auch Korinth, wohin es Medea und Jason verschlägt, ist ein diffuses Nirgendwo, eine leere Drehbühne vor dem grauen Rundhorizont, vollgerümpelt mit albernen Spielzeugrehen und weißen Plastikstühlen, die Jason bei Gelegenheit durch die Gegend werfen darf (Bühne: Patrick Bannwart). Hier führen Medea (Katrin Wichmann) und Jason (Alexander Khuon) ihre Beziehungsmanöver auf. Khuon macht aus Jason den narzisstischen Jungmann. Medea ist eine genervte Hausfrau, die sich resolut die graue Strickjacke über dem Nachthemd zuzieht und nach dem Ehekrach erst mal die Kinderwäsche aufhängt. Nach zähen 80 Minuten ist man nur froh, diese Unbedarftheitsübung verlassen zu dürfen.     

Text: Peter Laudenbach / Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Ärgerlich

Termine: Das Goldene Vließ
im Deutschen Theater,
28.10., 3.11., 30.11., 20 Uhr
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Volker Ludwig bringt „Linie 2“ ins Grips-Theater

Theater & Bühnen in Berlin von A-Z 

Mehr über Cookies erfahren