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Das Haus am Waldsee zeigt Werke von Clemens Krauss

Clemens Krauss „Verblüffend, originell, faszinie­rend“, beschreibt eine Besucherin im Haus am Waldsee die aktuelle Ausstellung „Aufwachen“ des jun­­gen Österreichers Clemens Krauss. Bevor dieser jedoch die Kunst zum Lebenszweck erhob,?sezierte er Körper während seines Medizinstudiums. Nicht verwunderlich also, dass der Mensch im Zentrum von Krauss?Њuvre?steht – als eine Projektionsfläche für Gesellschaft, Religion und Sexualität. Nach Kunststudien in Wien und London wählt der Konzeptkünstler Berlin als neue Heimat, wo er gleich mit Sack und Pack in seine eigene Ausstellung eingezogen ist. Im Obergeschoss hat Krauss ein Loch in den Fußboden gebohrt. Mit einem Endoskop kann er so die Besucher im Untergeschoss beobachten.?Dort hängt verblüffend raue Malerei. Die Gemälde wirken wie weiße Laken, aus denen Gebirgslandschaften aus Farbe ragen. Ausgehend von Fotoreportagen in Magazinen, isoliert Krauss etwa demonstrierende Figurengruppen, verfremdet diese und macht dadurch die Anonymität des Einzelnen deutlich. Etwa in der aktuellen Serie „Chromosoms„, wo nur die Körper aus duftigen feuchten Farben, wie orangerot oder giftig-grün, und ihre Haltung übrig bleiben – mal ablehnend mit verschränkten Armen oder mit unbeteiligt in die Hosentaschen verstauten Händen. „Die Haut des Körpers (ist eine seiner Grenzen)“ steht weiß auf weiß auf einer seiner Leinwände geschrieben, fast wie eine Erklärung zu Krauss’ Kunst. In der oberen Etage wird der Zuschauer zum Vo­yeur. Beeinflusst von Künstlern des Wie­ner Aktionis­mus der 70er Jahre wie Hermann Nitsch, der das Leben als Passion sieht, und Franz West, erlaubt Krauss dem Ausstellungsbesucher den Eintritt in seine Privatsphäre, er darf seine Bib­liothek nutzen (Krauss mag Anatomie, Pathologie, die Simpsons und Francis Bacon), auf der E-Gitarre klimpern und im Sessel fläzen.

Text: Laila Niklaus

tip-Bewertung: Sehenswert

Clemens Krauss „Aufwachen“, Haus am Waldsee, tgl. 11-18 Uhr, bis 26.4.2009

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