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Das Paradies ist anderswo

NicoleAndrijevicEin schöner Duft ist wie ein Versprechen. Davon leben die Hersteller von Parfüms, die in ausgefallenen Flakons ihre Exklusivität ausstellen. Für Hye Rim Lee, Künstlerin aus Korea, die heute in New York lebt, sind die Flakons Teil einer Schönheitsindustrie, die den Körper und seine Sexualität Normen unterwirft. In einer Videoinstallation von Hye Rim Lee ist der erotisierte und parzellierte Körper zum Geist in der Parfümflasche geworden, von vielfarbigen Liebesperlen umspielt wie von den Luftbläschen im Champagner. Hye Rim Lee mag eine Kritikerin der Schönheitsindus­trie sein, aber spröde oder unsinnlich sind ihre Arbeiten deshalb noch lange nicht: Im Gegenteil, auch sie setzt auf Verführung und Erotik.
Verführerisch zu sein ist auch das Mittel, zu dem die australische Künstlerin Nicole Andrijevic in ihren künstlichen Paradieslandschaften aus Sand, Zu­cker und Pigment greift. Sie leuchten in allen Neonfarben, sind verspielt und poppig, ornamental und süß, opulent und witzig. Kitschig sind sie dennoch nicht, davor bewahrt sie die Technik, eben nur gestreut zu sein, nur für den einen Ort zu existieren, an­greifbar von Wind, Feuchtigkeit und Schmutz. Tatsächlich gleicht ihre Herstellung der meditativen Praxis, mit der in der bud­dhis­tisch-tibetischen Kultur Mandalas aus Farbsand hergestellt werden. Beide Werke sind Teil der Ausstellung „Das Paradies ist anderswo“ mit sechs künstlerischen Positionen aus Südostasien in der ifa-Galerie. Dabei geht es auch um den Verlust von Landschaften und Kulturen, wie ihn Yee I-Lann aus Malaysia in dramatischen und surrealen Fotografien beklagt. Aber auch ein gefundenes Paradies gibt es in der Ausstellung: Das ist die Schweiz für indische Bollywoodfans. Die deutsche Filmemacherin Dorothea Wenner hat sie bei einer Busreise begleitet, bei der die indischen Touristen jene Orte aufsuchen, die in indischen Filmen dem Happy End einen Schauplatz geben. Die Begeisterung der Reisenden scheint ungebrochen: „Dies ist der Himmel auf Erden. Hier braucht man keine Medizin. Hier fühlt man sich 15 Jahre jünger“, sagt ein Reisender ins Mikrofon. Und diese Paradiesfindung ist ein kleiner Clou der Ausstellung, kennt man doch eigentlich nur verlorene Paradiese.

Text: Katrin Bettina Müller

Foto: Nicole Andrijevic

tip-Bewertung: Sehenswert

Das Paradies ist anderswo
in der ifa-Galerie, (Adresse und Googlemap)
So-Fr 14-20 Uhr, Sa 10-20 Uhr, bis 27.9.

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