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Abriss des Schimmelpfeng-Haus an der Gedächtniskirche

Von der Budapester Straße
ist das helle Segel auf dem Kantdreieck im Blick. Das Theater des
Westens ergänzt das Panorama. Für den Berliner Architekten Prof. Christoph Langhof erfüllt sich damit eine 14 Jahre alte Vision.

Das Schimmelpfeng-Haus, ein Brückenhaus über der Kantstraße, blockierte den Blick zur Gedächtniskirche und in die Kantstraße. Es hemmte die angrenzenden Blockbereiche in ihrer funktionalen Entwicklung und ließ
sie zu einer städtebaulich toten Zone werden. Der wichtigste Platz der West City war für die Kantstraße nicht existent. Es verschattete
zusätzlich auch die Straße und den Platz, behinderte die Belichtung
seiner Umgebung und veränderte deutlich die natürliche Luftbewegung.
West- und Ostwinde prallten auf das Brückenhaus und bliesen mit
erhöhter Geschwindigkeit unter dem Brückenhaus durch. Man musste unter
dem Haus „durchtauchen“, um an die jeweils andere Seite zu gelangen –
Menschen, Autos, Geschäfte und Eingänge verschwanden im „Loch“.

So
sehr das „Schimmelpfeng-Haus“ nicht zuletzt durch seine eigentümliche
Gestalt in mehr als fünf Jahrzehnten seines Bestandes zu einem
architektonischen Charakteristikum des Breitscheidplatzes geworden war,
der darüber hinaus den Rang eines Baudenkmals beanspruchen konnte,
erwies sich seine städtebauliche Positionierung für das westlich an den
Platz anschließende Gebiet von Beginn an als ein räumliches Hindernis.

Mit dem Abriss des
Schimmelpfeng-Hauses wird vollzogen, was vor 14 Jahren mit dem Konzept
„Türme und Gärten für die City West“ begann. Architekt Prof. Christoph Langhof
setzte sich damals zum Ziel, die unbefriedigende stadträumliche
Situation rund um das Schimmelfpeng-Haus (indem er damals auch sein
Büro hatte) deutlich zu verbessern.

Langhof 1995
in seiner Studie “Drei Türme und ein Garten – Umgestaltung des
Gloria-Blocks in der West-City Berlin“: „Eine stadträumlich wirksame
und ökonomisch tragfähige Aufwertung des Areals ist nur im Zusammenhang
mit dem Abriss des Schimmelpfeng-Hauses realisierbar.“

Fazit dieser
Studie: Zwar sollte einerseits aus denkmalpflegerischen Gründen das
Schimmelpfeng-Haus möglichst erhalten bleiben, andererseits steht
dieses Brückenhaus einer deutlichen stadträumlichen Aufwertung der
Kantstraße im Einmündungsbereich des Breitscheidplatzes im wahrsten
Sinne des Wortes im Wege.

Eine stadthistorische Expertise von Prof. Dr. Wolfgang Schäche
(einer der renommiertesten Architekturhistoriker Deutschlands,
Professor an der TFH Berlin und Leiter des Büros für Architektur und
Stadtforschung Berlin) unterstützte Langhofs Konzept. In „Das
Schimmelpfeng-Haus und der Stadtraum um den Breitscheidplatz“ schrieb
Prof. Schäche 1995: „Beide Güter – das Denkmal wie das des
städtischen Raumes – sind hierbei in ihrer Wertigkeit für das
öffentliche Interesse hoch anzusetzen, wobei letzteres ohne Zweifel die
komplexere Dimension für sich beanspruchen kann.“

Dieser Meinung
schloss sich die Politik an und beschloss im Jahr 1999 das
Schimmelpfeng-Haus aus dem Denkmalschutz zu entlassen und den Abriss zu
ermöglichen.

Prof. Christoph Langhof,
der seine Vision aus dem Jahre 1995 nun in Erfüllung gehen sieht: „Wir
bedanken uns bei allen, die den Sinn und die Qualität der geplanten
Maßnahmen gesehen haben und den Mut hatten, unsere Argumente zu
unterstützen und den Abriss zu genehmigen. Es ist keine Anbiederung an
die Mächtigen dieser Stadt, wenn hier ausdrücklich auch einmal
Politikern gedankt wird.“

Vor allem Klaus
Wowereit als Fraktionsvorsitzender seiner Partei und der damalige
Senator für Stadtentwicklung, Peter Strieder (beide Mitglieder einer
großen Koalition), stellten sich hinter den Abrissbeschluss. Ingeborg
Junge-Reyer, die nachfolgende Senatorin für Stadtentwicklung, hielt an
den Plänen fest.



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