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Das Soho House Berlin Mitte

Foto: Oliver Wolff

Noch gibt der Holzbauzaun den Blick auf das frisch renovierte Gebäude in der Torstraße 1 nicht frei. Nur die oberen Stockwerke sieht man. Was früher DDR-Grau war, blendet nun in makellosem Weiß. Von der Balustrade winken die rauchenden Handwerker. In der Einfahrt steht ein Lieferwagen, die Frau vom Ordnungsamt meckert und man bemüht sich, den Weg schnell frei –zuräumen. Hier wird noch einiges passieren, bevor am 10. Mai das Soho House Berlin eröffnet.

Aber dann kann man nach dem Business-Lunch in den Dach-Pool springen, sich bei After-Work-Fitness auspowern, nach einem Meeting in der Library schmökern und am Abend die Freunde zum Dinner ausführen, einen Kinofilm sehen oder einen Drink an der Bar nehmen. Die Handwerker werden die oberen Geschosse dann vermutlich nicht mehr zu Gesicht bekommen, denn das Soho House ist ein privater Club. Die siebte und achte Etage, Dachterrasse und Spa, Fitnessstudio und Kino sind nur für die Hotelgäste und Mitglieder zugänglich – und Mitglied werden kann hier nicht jeder.

Seit 1995 stand die Prachtimmobilie leer. Verschiedene Investoren zogen sich zurück, bis im März 2008 die Soho Berlin House GmbH ihre Pläne verkündete: ein Club-Haus für Kreative, für Galeristen, Publizisten, Künstler. Ganz so, wie sich das neue Berlin gern sieht. Umgestaltet wurde der denkmalgeschützte siebengeschossige Bau, der einst Warenhaus war, dann von der NSDAP genutzt und später als Sitz des Zentralkomitees der SED bekannt wurde, vom J.S.K. Architekten Team. Sie haben bereits an der o2 World oder den Bahnhöfen an Ost- und Südkreuz mitgewirkt. Sehr schön soll alles sein, feinste Baumaterialien, stilvolle Möbel.

Schon im 18. Jahrhundert traf sich die englische Oberklasse in sogenannten Gentlemen‘s Clubs zur Unterhaltung und Kontaktpflege. Auch in Amerika haben die Country Clubs seit langem eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Doch die Geschäftsführung des neuen Etablissements, die sieben vergleichbare Häuser in Großbritannien und den USA betreibt, betont, dass es nicht um Geld, sondern um Kreativität geht. Zusammen mit der PR-Agentur Haeberlein & Mauerer hat sie ein „Comittee“ aus Künstlern, Galeristen und lokalen Szenegrößen zusammengestellt und damit beauftragt ist, geeignete „Founding Member“ auszusuchen. Außerdem kann man sich mit Lebenslauf, Passfoto und Empfehlungsschreiben bewerben. Den normalen Mitgliedsbeitrag, mit 900 Euro im Jahr auch nicht teurer als in einem besseren Fitnessstudio, sollen sich nicht nur erfolgreiche Künstler leisten können.

Foto: Oliver Wolff

Wer ab Mai in den Club rein darf, ist aber noch nicht raus. Die Betreiber nennen keine Namen, versichern aber, man habe einige Prominente gewinnen können, und es gebe bereits eine Warteliste. Am 30. April feiert Damien Hirst hier schon mal die Party zu seiner Berliner Ausstellung, außerdem sind Filmvorführungen und Rahmenveranstaltungen zu großen Events geplant, und Mitglieder können Räume für private Partys mieten.
Ganz neu ist die Idee eines exklusiven Treffpunkts auch im sonst so egalitären Berlin nicht. Am Pariser Platz können sich die Mitglieder des China Clubs geschäftlich und privat näherkommen. Auch der Münzsalon in der Münzstraße wirbt damit, dass dort „Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft auf Schaffende aus Kunst und Kultur, Musikszene und Underground“ träfen, letztlich ist er aber kaum mehr als ein schicker Raum für Lesungen oder After-Show-Partys. Ob sich der Berliner Bohemien vom Versprechen der Exklusivität ins Soho House locken lässt, oder ob er lieber auf der eigenen Dachterrasse sitzt, bleibt also abzuwarten.

Text: Laura Ewert

www.sohohouseberlin.com

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