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Das wäre eure Show gewesen!

Erik Heier

Vielleicht hat es die Opposition ja noch nicht ganz begriffen. Liebe Grünen, Linke und Piraten: Die nächsten Wochen könnten jetzt eure Show sein. Eure ganz allein. Im Senat passiert nämlich gerade nichts bis gar nichts. Jedenfalls, solange die SPD nicht genug herumgefragt hat, wer künftig Regierender Bürgermeister sein darf. Ein Senatsmitglied (zumindest auf sozialdemokratischer Seite), das jetzt eine ambitioniert richtungsweisende Entscheidung treffen würde, wo es nicht mal die nächste Richtung kennt, wäre auch nicht bei Trost. Bis zum 11. Dezember, der Wahl des nächsten Rathaus-Chefs, sind es gut zehn Wochen. Die können verdammt langweilig werden.
Deshalb, sehr verehrte Opposition, wäre jetzt die Zeit für die ganz großen Ideen, die gewagten Konzepte, die mutigen Lösungsvorschläge. Genau jetzt. Guckt doch mal eben in der Schublade nach. Ist da denn gar nichts drin? Oder die darunter vielleicht? Denn in diesen Wochen wird da keiner von der Regierungsbank groß dazwischenfunken. Das wäre doch  mal ein heißer Herbst.
Aber was macht ihr? Macht ihr was? Was? Bei den Piraten zum Beispiel dachte man gerade, die hätten sich endlich wieder ein bisschen sortiert, da tritt einfach mal der Parteichef Christopher Lauer nur schnöde vom Vorsitz zurück. Nein, der gleich aus der Partei aus! Einen Gruß übrigens an Frank Henkels Innenverwaltung und auch in die Niederungen der Berliner Polizei, die der Innenpolitiker Lauer in akribischer Detailversessenheit mit unzähligen Parlamentsanfragen nervte. Schön den Sekt wieder zurück in den Kühlschrank stellen, ja! Der Lauer bleibt Abgeordneter. Da können sich die Verwaltungen sicher weiter auf Anfragen freuen, mit Überschriften wie: „Schmerzensschreie hallen durch die Straßen – Räumung von Sitzblockaden im Land Berlin (II)“, eine von Lauers letzten Eingebungen. Aber wenn wir uns die Opposition insgesamt mal genauer anguck… Entschuldigung, ?wir sind mal kurz weggenickt. Da debattieren Grüne und Piraten plötzlich ernsthaft darüber, ob Klaus Wowereit nicht lieber doch erst später zurücktritt, wegen Länderfinanzausgleich-Verhandlungen an seinem Rücktrittstag. Ja, soll der sich das vielleicht noch mal überlegen? Lieber Himmel! Nicht diese Opposition hat ihn ?zum Rückzug gezwungen. Kein Wunder.

Text: Erik Heier

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