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Katharina Thalbach über den „Der Barbier von Sevilla“ an der Deutschen Oper

Katharina Thalbachtip Der „Barbier von Sevilla“ ist eine der bekanntesten komischen Opern überhaupt. Was ist an der Story eigentlich komisch?
Katharina Thalbach Nun ja, wenn jemand betrogen wird, ist das doch immer komisch. Aber am komischs­ten ist die Musik. Die war für mich eine echte Entdeckung, denn ich hatte die Oper nie wirklich gehört, bis Kirsten Harms mich fragte, ob ich sie nicht inszenieren will. Von der Artistik und dem Tempo Rossinis war ich wie vom Donner gerührt. Da können sich die Rapper heute glatt eine Scheibe abschneiden. Bei den Proben merke ich immer wieder, wie mir die Musik in die Beine fährt. Das flirrt, prickelt und macht einfach Spaß.
tip Sie reden vom Tempo der Musik, aber eigentlich denkt man in der Oper eher an das Gegenteil: Da steht jemand und singt lange Arien. Das klingt eher nach Spaßbremse.
Thalbach Klar, in den Proben versuchen wir ja auch einen Weg zu finden, mit dieser Grundsituation umzugehen. Ich habe aber gemerkt, dass ich die Sänger in den Arien gar nicht groß beschäftigen muss, gerade weil die Musik selbst schon komisch ist.
tip Der Beruf des Barbiers ist im Zeitalter des Rasierapparats fast ausgestorben. Hat Figaro bei Ihnen umgeschult?
Thalbach Gut, heute würde man Figaro eher einen Coiffeur oder Friseur nennen. Aber die Hauptsache ist, dass er ein gesellschaftlicher Pol ist, bei dem viele Fäden zusam­menlaufen. So wie bei meinem Freund Udo Walz. Aber damit das nicht falsch ankommt: Unser Figaro wird kein Udo Walz sein! Und auch nicht schwul!
tip Wie sind Sie als Theaterschauspielerin eigentlich zur Oper gekommen?
Thalbach Die Oper war damals für mich eine Nische zum Träumen: meine kleine Republikflucht, wenn Sie so wollen. Ich saß da für zwei Mark ganz oben und habe das genossen: die Atmosphäre, die schönen Kostüme und den Geruch der Schminke.
tip Die Oper als Puppenstube?
Thalbach Natürlich hatte ich als Kind immer eine Puppenstube und habe leidenschaftlich damit gespielt! Und im Grunde tue ich das bei meinen Inszenierungen wohl immer noch – nur, dass die Puppen­stube inzwischen ziemlich groß geworden ist.

Interview: Jörg Königsdorf / Foto: Andre Rival

Termine: Der Barbier von Sevilla
Deutsche Oper, Premiere: So 29.11., 18 Uhr

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