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„Der Botschafter“ im HAU

153 Botschaften unterhält die Bundesrepublik in der Welt. Der deutsche Botschafter im Kreise aller anderen Botschafter ist Mitglied im globalen Dorf, das sich immer dann versammelt, wenn andere Botschaften zum Empfang laden. Das passiert gern und oft. In Abidjan zum Beispiel, Hauptstadt der Elfenbeinküste, lädt Claus Auer, der deutsche Botschafter, seine Kollegen in Uniform und in afrikanischen Kleidern in seine weitläufige Villa in Abidjan mit großartigem Blick über die Lagune. Eingeladen sind auch die Künstler, die gerade in der Stadt weilen. Gern gesehene Gäste: die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen, die sich mit ihrer Kompanie aus europäischen und westafrikanischen Performern längst selbst als Botschafter betrachten dürfen.
Ihr neuester Coup: ein deutsch-westafrikanisches Singspiel namens „Der Botschafter“ Hier loben sie ihren Gastgeber und übernehmen seine Rolle. Ein Botschafter, singt der Großmeister der Kompanie, Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, ist ein armer Wurm. Seine Pflicht ist es, die Demokratie zu verteidigen. Also Hülsen zu predigen.
Sein Gegner heißt Dadis Camara. Für kurze Zeit war er der Präsident von Guinea, heute ist er ein gefürchteter Medienstar. In „Dadis‘ Show“ demütigt er regelmäßig alle Weißen, UN-Mitarbeiter und natürlich die Botschafter, die es hinnehmen, wenn im Internet der Schlager „Dadis Camara humille l’Ambassadeur de l’Allemagne en public“ sensationelle Klickzahlen erzeugt und ein vielstimmiger Chor die öffentlichen Beleidigung des deutschen Botschafters nachsingt.
Daraus ein Musical zu machen, kam Gintersdorfer/Klaßen fast automatisch in den Sinn. Nun übernehmen unter anderem Anne Tismer und Jule Flierl die privilegierte Rolle von Botschafterinnen in einem instabilen Land zwischen Militärputsch und Machtkämpfen, um die westliche Kunst der Staatsrepräsentation zu verteidigen. Konfrontiert werden sie mit repräsentativen Kunststaaten in Afrika, in denen die Musik die Politik macht und noch den letzten Erdnussbauern erreicht.
Das ist etwas ganz anderes, als das, was das Auswärtige Amt seinen Anwärterinnen im diplomatischen Dienst beibringt: der gute Ton mache die Musik. Afrika tanzt, ebenso taktlos wie mit großem Vergnügen, auf einer anderen Tonleiter. Aber Rettung naht: Vorhang auf für den singenden Botschafter.     ?               

Text:
Arnd Wesemann

Foto: Hebbel am Ufer

HAU 2 Mi 20.1., Do 21.1., Fr 22.1., 20 Uhr, Sa 23.1., 20:30 Uhr. Kartentelefon: 030-259004-27; www.hebbel-am-ufer.de

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